Lila003 Der Männlichkeitswahn

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“Der Feminismus hat sich verirrt”, denn unter dem Patriarchat leiden Männer viel mehr, als Frauen! – Ralf Bönt hat mit dieser Behauptung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung publikumswirksam einigen Wirbel gemacht. Sein Text verlangt nach einem “Aufschrei” der Männer gegen all die Ungerechtigkeiten, die sie aushalten müssen – und derer listet er eine Menge auf. Er schießt auf den Feminismus, dem er unterstellt, zum schlechten Image der Männer mehr als beigetragen zu haben. Er schimpft über Quoten, gewalttätige Frauen und vieles mehr.

Im Gespräch unterziehen wir seine Thesen einem Reality Check und zeigen, warum er sehr manipulativ arbeitet und gefährlich ist. Aber das ist nur der Anfang. Wir wollen viel mehr: Wie können Feministinnen und Feministen die realen Probleme angehen, die Männer aufgrund von Geschlechterstereotypen und Sexismus unbestreitbar im Patriarchat haben? Wo muss angesetzt werden, um eine bessere Welt, eine gerechtere Gesellschaft für beide Geschlechter zu schaffen? Und: Ist es nicht eigentlich so, dass Feministinnen ein viel positiveres Männerbild haben, als konservative Stimmen, die immer noch an alten Klischees und Rollenaufteilungen festhalten?

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Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

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6 Kommentare

  1. Diese Folge beweist für mich wieder, was für eine Bereicherung für den Diskurs die Idee war, einen Podcast über Feminismus zu machen. Während mich viele Blogs wegen der Härte der Sprache häufig abschrecken und teilsweise auch in der eigenen Meinungsäusserung hemmen, weil schnell einzelne Worte herausgegriffen werden um zu argumentieren, man sei ja auch böse, nimmt es mir beispielsweise die Angst zu hören, wie ruhig und differenziert ihr euch mit Themen auseinandersetzt. Stimmen zu hören hat eben den Vorteil, dass man besser einschätzen kann, wie Dinge gemeint sind, sich mit dem Sprecher zu identifizieren und sich mit Themen ruhiger auseinanderzusetzen. Danke für dieses tolle Projekt!

  2. Darf ich abschließend noch das Konzept der hegemonialen Männlichkeit ansprechen? Allein dies ist ja schon ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch viele Männer unter dem Patriarchat leiden – nach diesem Konzept u.a. diese, die nicht hegemoniale Männlichkeitsformen leben. Gleichzeitig sind wir uns denke ich, dass wir uns auch einig sind, dass Männer auch am hegemonialen Habitus leiden, beispielsweise wenn sie sich diesen aus gesellschaftlichem Druck aneignen.
    Zu den größeren gesundheitlichen “Schäden” bei Männern erinnere ich mich an das Konzept der Sorgeselbstständigkeit, das meines Wissens in den Niederlanden erforscht wurde. Dort kam heraus, dass die Sorgeselbstständigkeit bei Frauen höher ist als bei Männern, sie beispielsweise eher auf eine gesunde Ernährung achten und früher zum Arzt gehen, sich also mehr um sich selbst sorgen. Ich bin überzeugt, dass auch dies mit den klassischen Rollenerwartungen zusammenhängt.
    Aus persönlichen Gründen möchte ich abschließend anmerken, dass ich nicht glaube, dass diese Geschlechterkonflikte etc. nur in heterosexuellen Beziehungen auftreten. Ich habe an mir selbst und in der schwul-lesbischen Szene erlebt, dass viele schwule Jungs sich während ihres Coming-Outs sehr stark mit weiblichen Rollenklischees identifizieren und andersrum – so lief ich beispielsweise lange Zeit mit rosa Handtasche und übertriebener Hüftbewegung herum, bis ein Reflektionsmoment einsetzte und mir klar wurde, wie lächerlich das ist. Ich kenne aber viele Beispiele, wo die klassische Rollenaufteilung in homosexuellen Reproduziert wird, gerade bei weniger reflektierteren Menschen. Dort nimmt – ganz Klischee – der eine eher die weibliche und der andere eher die männliche Rolle an, auch nach aussen transportiert. Ähnliches habe ich in lesbischen Beziehungen beobachtet. Von daher würde ich schon davon ausgehen, dass auch in solchen Beziehungen ähnliche Konflikte auftreten können.

    • hallo Daniel,

      aber gerne darfst du! das ist hier natürlich absolut richtig: Hegemoniale Männlichkeit ist das entsprechende wissenschaftliche Konzept.
      Ein Link zur Ergänzung dann auch noch von mir: In der APuZ gab es 2012 auch ein Heft zu “Mannsbilder” – unter anderem auch mit einem Beitrag zum aktuellen Stand der Männerforschung. Da findet sich auch ein wenig Debatte zur Hegemonialen Männlichkeit.

      deine Ergänzung zu den gleichgeschlechtlichen Paaren stimmt wohl auch. danke dafür! Nicht selten orientieren sich auch gleichgeschlechtliche Beziehungen an traditionellen Rollenaufteilungen. Aber diese sind dann weniger mit dem biologischen Geschlecht zu rechtfertigen. Vielleicht kann man gerade hier gut sehen, wie erlernt das alles schlussendlich auch ist.

      Auf jeden Fall freut mich sehr, was du in deinem ersten Kommentar sagtest. Das motiviert 🙂

  3. Ihr hattet ja überlegt, warum Frauen den größeren Anteil an Gesundheitskosten benutzen. Spontan habe ich darauf geantwortet: Weil sie älter werden und Gesundheit mehr kostet, je älter man wird. Nach einem kurzen Googlen fand ich einen Artikel (mit schön Rosa und Hellblau)
    http://www.finanzmonitor.com/krankenkasse/gesundheitskosten-manner-von-61-65-und-frauen-von-76-80-am-teuersten/
    mit Schweizer Daten, aus dem hervorgeht, dass ich mit meiner Vermutung Recht hatte und sie besonders ins Gewicht fällt, weil Frauen fast in jedem Alter mehr für Gesundheit ausgeben, wie ihr schon sagtet. Dies alles unter der Voraussetzung, dass die schweizer Daten verallgemeinerbar sind.

  4. Danke für das Teilen eurer Beobachtungen über die Welt!

    2015 soll ein neuer StarWars-Teil erscheinen, womit die jetzige Präsenz der Skywalkers erklärt werden kann.

    Im Mai 2012 hat Scott Hanselman über sein Heranwachsen mit Star Wars geschrieben [1] und wie er vorging als er die Filme seinen Söhnen (4 1/2 J. und 6 1/2 J.) gezeigt hat. Seine Herangehensweise ist nachvollziehbar und amüsant zu lesen.

    [1] http://www.hanselman.com/blog/TheNerdParentsGuideWhenAndHowToIntroduceYourKidsToStarWars.aspx

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