Lila018 Feminist Washing

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Im Netz ergoss sich ein kleines Stürmchen über EMMA, die versucht hatte, mit dem Hashtag #emmaistfuermich Leserinnen-Feedback zu bündeln. Dass dabei auch sehr viel Häme und sehr viel Rachgelüste ausgelebt wurden, damit hatte das Magazin offenbar nicht gerechnet. Wir fanden das einen guten Anlass, eine Grundsatzsendung mit ganz basalen Fragen des aktuellen Feminismus aufzunehmen. Wie gehen wir mit den unterschiedlichen, nebeneinander existierenden Feminismen um? Ist das ein Problem, wenn Feminismus vor allem vor sich hergetragen wird, weil es gerade “cool” ist? Anhand verschiedener exemplarischer Beispiele versuchen wir eine Abgrenzung: Bis dahin ist Feminismus als Marke noch sinnvoll und nützt auch dem Feminismus – eine Win-Win-Situation eben. Und ab hier wird es bloßes Marketing, einseitig und null Gewinn für Menschen mit echten feministischen Anliegen. Leicht ist das nicht. Aber nötig. Echt mal dringend nötig!

Außerdem versuchen wir, inmitten dieser westlichen Welt, in der es – so scheints – kaum mehr viel Arbeit bedeutet, Leute vom Feminismus zu überzeugen, die Augen zu öffnen für die Situation von Frauen jenseits unseres Tellerrandes. Frauen an Orten dieser Welt, an denen man sich nicht unbedingt mit einem “This is what a feminist looks like”-T-Shirt zeigen würde. Frauen, um die es letztlich auch bei Emma Watsons #HeForShe-Appell ging.

(Die Bauarbeiten bei Susanne habe ich so gut es geht rauszuschneiden versucht. [und weil wir so gut gelaunt enden, lass ich euch das Intro dieses eine Mal komplett ausgespielt am Ende drin – schön die Hüften schwingen bitte!])

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Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

Links und Hintergründe

#emmaistfürmich

Feminismus ist das neue Cool

Pinterest_ThisIsWhatAFeministLooksLike

Feminism As A Brand

Konkreter Feminismus

“Open any newspaper and violence towards women seems to be increasing by the day. It is time to confront the darkest impulses of the human heart”

6 Kommentare

  1. Wär super, das Thema “Abgrenzung” auch mal in einem Artikel lesen zu können!

    • der von Friederike Haupt in der FAS vergangenes Wochenende ist ja leider nicht online. Es gibt ihn gegen Bezahlung im Archiv. Der ist wirklich sehr schön!

  2. Vielen Dank für diesen Podcast zu #EMMAistfürmich. Leider finde ich die Kommentare unbefriedigend und ich finde, dass Eure Recherche etwas zu kurz gekommen ist.

    Ihr habt die Artikel von EMMA verlinkt, aber keinen Beitrag der Frauen, die in der “Chronik” persönlich angegriffen werden. Das ist einseitig und führt letztendlich dazu, dass wir in dieser ganzen Geschichte tatsächlich nur als die unfairen Feminist*innen da stehen, die meinen es besser zu wissen und den besseren Feminismus zu vertreten.

    Die Art und Weise, wie hier unsere Kritik an EMMA interpretiert wurde, entspricht aber meiner Wahrnehmung und meinem Selbstverständnis nicht wirklich. Ich glaube nicht, dass ich den besseren Feminismus vertrete, ich bin der Ansicht, dass ich einen Feminismus von vielen vertrete. Ich spreche EMMA nicht ab feministisch zu sein. Das tut sie aber uns gegenüber, uns, die z. B. Sexarbeit nicht verbieten wollen. Und es mag sein, dass ich EMMA vor allem aus dem Blickwinkel der Sexarbeitsdebatte sehe, aber dort werden halt auch viele Tendenzen deutlich: Nicht mit Sexarbeiter*innen sprechen sondern eher fast schon diffamierende Artikel über sie. Nichts für Ungut, aber das ist einfach kein Feminismus, den ich vertreten kann. Und ehrlich gesagt: Ich möchte öffentlich Kritik daran äußern dürfen, ohne für die Zerstrittenheit und die Spaltung im Feminismus verantwortlich gemacht zu werden und ohne dass gleich alle das Gefühl haben, sie müssen sich auf die eine oder andere Seite stellen. Denn das ist für mich ein Symptom dafür, dass wir untereinander nicht in der Lage sind, inhaltliche Debatten zu führen.

    Und das ist der Punkt zu diesem Podcast, den ich am wichtigsten finde: Wir hätten jetzt endlich mal die Gelegenheit über Vorstellungen von Feminismen auszutauschen und einen Dialog zu führen. Es gibt so viele Themen über die wir mal wieder reden sollten. Und dieser inhaltliche Punkt kommt bei Euch überhaupt nicht vor. Das ist schade und trägt dazu bei, dass wir nicht wirklich weiter kommen und dass wir Feminismus immer nur als “die einen gegen die anderen” denken können.

    Aber um mit diesem Feinddenken mal mitzuspielen: Ich würde ja gerne mit der EMMA über Sexarbeit reden. Aber – wenn ihr wollt, versucht es doch mal selber – wenn ihr die Ansichten der EMMA nicht teilt oder irgendwann übernehmt – werden sie nicht mit uns/Euch reden. Es ist unfair, dass hier so getan wird, als sei die EMMA zu anderen Feminist*innen immer total lieb und nett. Denn wer einen anderen Feminismus vertritt als sie, wird exkludiert. Dass wir “Jungfeministinnen” (was für ein Wort) uns das nicht bieten lassen, sollte eher positiv bewertet werden. Aber gut. Ist ja nur meine Meinung.

    Zuletzt: ich würde die zweite und dritte Welle Feminismus nicht so pauschal nebeneinander stellen. Viele der Impulse – gerade bei Sexarbeit – sind auch schon in den 1970er Jahren entstanden und es gibt ganz viele “Altfeminist*innen”, die von EMMA nix wissen wollen, u. a. weil das große Magazin viele kleine, unabhängige Magazine, wie Courage, kaputtgemacht hat. Da möchte ich doch mal glatt einen Plädoyer für eine differenzierte historische Rekonstruktion des Feminismus hier lassen.

    Und hier ein paar Links, da sie oben fehlen:

    http://www.sonjadolinsek.net/2014/11/uber-emmaistfurmich-meinfeminismus-und.html

    http://missy-magazine.de/2014/11/12/emma-debatte-jan-fleischhauer/

    http://www.taz.de/!148990/

    http://medienelite.de/emmaistfuermich-oder-deutschland-dein-netzfeminismus/

    • Liebe Sonja,

      ich danke für deine Anmerkungen und die Ergänzungen zu den Shownotes. Wir haben das Thema #emmaistfuermich recht kurzfristig hinzugenommen und uns natürlich bemüht, möglichst viel dazu zu lesen. Dass man es nie schafft, alles und alle Seiten zu berücksichtigen ist jedoch nun einmal normal.

      Deine Anregung, mal mit den EMMAs über Sexarbeit zu reden, nehme ich gerne mit. Wie schon gesagt (im Podcast), sehen wir mehrere Seiten als schwierig an in diesem Konflikt. Einander platt machen zu wollen ist eigentlich selten eine gute Idee. Aber ich halte es immer für legitim, in der Sache zu streiten.

      Ob die EMMA die Courage kaputtgemacht hat, ob die EMMA wirklich die Macht hat, andere kaputt zu machen, das kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass sich auch früher schon immer die Feministinnen in einer Art “Survival of the fittest” bekriegt haben. Auch heute finden sich solche Tendenzen. Und letztlich ist das auch unser Hauptproblem.

      Dein Kommentar lässt mich vermuten, dass Lila018 der erste von den Lila Podcasts ist, den du hörst. Vielleicht hörst du dir auch die anderen mal an. Vielleicht erledigt sich dann der Vorwurf, dass wir nicht über Inhalte reden würden. Wie ich mehrmals betonte ist dies eine Grundsatzfolge.

      Viele Grüße

  3. Liebe Katrin,

    vielen Dank für die Antwort. Nun befinde ich mich in einem Dilemma: Weise ich darauf hin, dass es irrelevant ist, ob ich nun weitere Podcasts gehört habe, weil ich in diesem Kommentar eben diesen Podcast kommentiert habe? Oder nehme ich das an und fühle mich schuldig, dass ich nun nicht andere Podcasts gehört habe, weshalb ich diesen – dessen Thema mich persönlich betrifft – angeblich nicht kommentieren soll (das Gefühl habe ich nämlich, wenn ich das lese)? Was tun? Schweigen oder diskutieren? Kann man noch diskutieren, wenn die Alternative immer noch “entweder für oder gegen EMMA” zu sein scheint?

    Das zweite Dilemma gestaltet sich so: Keine Feministin bewegt sich außerhalb der Tendenzen, die jeweils diagnostiziert werden. Das Dilemma ist, dass mein Hinweis auch da reinspielt: Auch mit diesem Podcast spielt ihr im Spiel “einander gegenseitig platt machen” mit. Es mag sein, dass ihr keine Zeit hattet, Euch zu informieren, aber wenn gleich mal mehrere Frauen (übrigens ausschließlich Frauen) von EMMA namentlich angegriffen werden, halte ich es für angemessen vorher mal ‘ne Suchmaschine anzuschmeißen – außer: Ihr nehmt der EMMA von vornherein alles ab. Und wenn ihr das tut, dann seid ihr mitten drin im “platt machen”. Weil die EMMA will uns nur platt machen. Egal wie nett ihr die Frauen findet, die da in der Redaktion sitzen. Vielleicht böte es sich mal ein Gedankenexperiment an: Wie würde es Euch gehen, wenn Euer Name da stünde, weil – nehmen wir mal an – ihr nicht für das sogenannte “Schwedische Modell” sein? Das ist nämlich das einzige Kriterium für gut und schlecht. Das könnt ihr ja mal ausprobieren, wenn ihr mit der EMMA über “Sexarbeit” redet.

    • Liebe Sonja,

      deine Wut kann ich gut verstehen, niemand wird gerne angegriffen. Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich auch nicht begeistert davon war, als sich Alice Schwarzer 2008 über “die Wellnessfeministinnen” lustig machte, mit denen sie auch mich meinte. Ihre Haltung ist nicht selten von schwarz und weiß geprägt, und das nehmen Katrin und ich auch kritisch wahr – darauf bezog sich Katrins Hinweis, dass die anderen Podcasts nicht unwichtig seien, um unser Verhältnis zu Alice Schwarzer zu verstehen. Ganz sicher wollen wir nicht, dass jede und jeder erst mal alle Folgen des Lila Podcasts hören muss, um mitreden zu dürfen. Wobei wir uns natürlich freuen, wenn es nicht bei einer Folge bleibt, sondern wir Lust auf mehr machen können.

      In dieser Folge will ich uns auch nicht so verstanden wissen (und höre das aus unserem Gespräch auch nicht heraus), dass auf der einen Seite die arme Emma steht und auf der anderen Seite die vorlauten Netzfeministinnen. Wir haben (wie ich finde, eigentlich recht neutral) darüber gesprochen, dass es natürlich einiges an Emma zu kritisieren gibt (und die entsprechenden Themen sprichst du ja selbst an), dass aber Twitter eine eher unkonstruktive Form dafür bietet. Auf Twitter finden keine an Inhalten orientierten Debatten statt – jedenfalls habe ich in meiner Timeline noch keiner beigewohnt.

      Was wir im Podcast sagen, ist schlicht: inhaltliche Auseinandersetzung sieht anders aus. Sowohl auf Seiten der Emma, wenn sie bestimmte Positionen radikal ausblendet, als auch auf Seiten der Kritisierenden, wenn sie letztendlich ja dann doch eher ÜBER die Emma reden als MIT den Macherinnen.

      Und zum Schluss finde ich es von Seiten der Emma-Redaktion auch überhaupt nicht entschuldbar, in ihrem Magazin andere Meinungen und Menschen so abzuwatschen, wie sie es sehr gerne tun. Finde ich total daneben, da geht es mir wie dir. Nur war das in diesem Fall nicht der Punkt, über den wir gesprochen haben, und ich kann mir nur schwer eine Sendung vorstellen, in der wir zu jedem Aspekt auch immer alle Unteraspekte mit beleuchten. Dann wird es schnell selbstreferenziell.

      Aber umso besser, dass wir diesen Punkt dann hier in den Kommentaren noch mal aufgreifen konnten.

      Viele Grüße, Susanne

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