Lila047 Sportlich ist das neue dünn

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Susanne findet sportlich toll und wünscht sich für ihre Kinder, sportlich zu sein. Damit aber nicht genug: Weil wir in der letzten Sendung zu wenig auf den Aspekt eingegangen sind, dass sportlich auch ganz neue, übertriebene Dimensionen annimmt, muss mehr darüber gesprochen werden.

Deswegen packen wir das Thema noch einmal ganz ausführlich auf den Tisch und nähern uns dem Problem in Gravitationskreisen. Zwischen Personal Trainer, Quantified Self und Psychomotorik seinen Platz zu finden ist ganz schön kompliziert. Diskutiert mit uns – auch darüber, wie sich Körper auf das Berufsleben von Frauen und Männern auswirken können.

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Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/
Links und Hintergründe

20 Kommentare

  1. Danke für die Ergänzung!

    Noomi Rapaces Namen hatte ich nicht zur Hand, aber kann mich erinnern, dass es während des Castings zur US-Kinoversion große Diskussionen gab, wie man jemand so tolles wie Noomi Rapace finden soll. Ich habe beide nicht gesehen, aber sie soll supergut sein.

    Viele Grüße, Susanne

    • Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Figur ja schon in den Büchern so gezeichnet wird, wenn nicht da sogar etwas krasser. Da liegt es also nicht unbedingt daran, dass die Filmemacher gedacht haben “Und jetzt machen wir mal einen etwas anderen Frauentyp!”, sondern, dass ein extrem populäres Buch verfilmt wurde und es eigentlich nicht anders ging, als Lisbeth Salander so zu zeichnen, wie sie auch in den Büchern beschrieben wird, weil das ja auch im Buch eine zentrale Rolle spielt.

      Das macht natürlich die Filme nicht schlechter, ich würde mich nur etwas dagegen aussprechen, dass das die ureigene Motivation dahinter steckte, ein anderes Frauenbild zu zeigen.

  2. Ich denke der Unterschied zwischen einer bereichernden und einer körpernormierenden Sportlichkeit ist gar nicht so schwer zu ziehen. Grob gesagt geht es bei ersterem um eine Innensicht des Individuums selbst, bei zweiterem um eine Außensicht auf das Individuum. Bewegung und Sport ist heilsam, genußvoll und persönlichkeitsbereichernd, wenn das eigene Erleben im Vordergrund steht und nicht der ständige Gedanke wie ich dabei aussehe. Erlebe ich selber etwas, oder versuche ich durch mein Aussehen bei anderen Menschen “Erlebnisse” (Bewunderung, erotische Gefühle etc.) hervorzurufen? Außerdem lässt ersteres vielfältige (Körper-)Entwicklungen zu, während zweiteres eine “Uniformierung der Körper” anstrebt. Denn letztendlich bewegen sich die Körperideale der jeweiligen Epochen immer in so engen Grenzen, dass ein ein dauerhaftes Erreichen letztendlich für den Großteil der Frauen unmöglich ist. Gerade die Unerreichbarkeit sorgt natürlich durch die Produktion von schlechtem Gewissen für eine umso wirkungsvollere Disziplinierung und ständige Fokussierung auf die eigene Außenwirkung.

    • Genau diese Unterscheidung kam mir auch in dem Sinn, nur weniger eloquent 😉

      Ich würde unterscheiden zwischen Sport zum Selbstzweck und Sport, der einer körperlichen Entwicklung oder einem “Image” dient. Vielleicht kann man hier die klassische Unterscheidung zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation anlegen?

  3. Erstmal danke für euren Podcast, den ich immer gerne anhöre. Da ich seit Tagen krank im Bett liege, hab ich mich sehr über die neue Folge gefreut.
    Und schreibe heute, der Grippe zum Trotz, meinen allerersten Kommentar.

    An zwei Stellen war ich ein bisschen irritiert (ich hoffe es war nicht das Fieber):

    1. Afrikanische Powerfrauen:
    Ist es nicht so, dass in Afrika allgemein ein fülligerer Frauenkörper als Schönheitsideal gilt? Dann wäre das spezifische Aussehen der Business-Frauen dort doch auch wieder nur Äquivalent dessen, was man hier von erfolgreichen Frauen erwartet.

    2. House of Cards/Claire Underwood:
    Susanne meinte, dass sie deren Körper zum Gruseln findet (oder so ähnlich).
    Wahrscheinlich hat das auch mit dem Charakter, den die Figur verkörpert, zu tun.
    Aber die Schauspielerin Robin Wright sieht ja nunmal auch so aus, mutmaßlich ist sie privat anders, vielleicht dabei sogar total “gesund”, wer weiß, ich kenne jedenfalls auch solche Körpertypen (bei Männern und Frauen). Generell finde ich es schwierig, so wertend über Körper zu sprechen, außerdem wird doch dann auch wieder krass ein bestimmtes Ideal heraufbeschworen (das ist jetzt aber zu dünn, so mittel und sportlich ist in Ordnung usw.).

    Viele Grüße!

    • Liebe Lola,

      du hast mit meinen Aussagen zu Claire Underwoods Körper recht, darüber habe ich selbst nach der Sendung auch noch nachgedacht. Sie verkörpert in der Serie ja eine Figur und die lebt vom Image der Perfektion, ja dem perfekten Bösen (wobei sich das ja auch im Fortgang der Serie etwas wandelt). Gleichzeitig ist sie bzw. ihr Körper das Abziehbild des “erfolgreichen” Körpers.

      Und obwohl sowas als Filmfigur funktioniert und die Schauspielerin Robin Wright dafür sicherlich einiges an Zeit investiert, um diesen Körper zu “stählen”, habe ich die Befürchtung, dass die abstrakte Ebene bei der Zuschauerin verloren geht. Also: Dass man nicht mitdenkt, dass die Schauspielerin ihren Job tut, wenn sie trainiert und Diät hält, um diese Rolle im wahrsten Sinne des Wortes zu verkörpern. Die Zuschauerin dagegen trainiert noch zusätzlich zu ihrem Job, weil sie gelernt hat, dass Erfolg so aussieht.

      Sehr spannende Frage. Aber natürlich muss man trotzdem sorgfältig formulieren und sollte niemanden abwerten, wenn man über sein oder ihr Aussehen spricht. Jeder Körper hat seinen Grund, eine Geschichte.

      Danke also für deinen Kommentar & viele Grüße,
      Susanne

  4. Mir fiel zum Schluss, als es um “der Mensch braucht Bewegung” noch ein Artikel ein, da ging es um Laufen im Sinne von normal gehen und dass das in Amerika fast nicht mehr geht, aber anscheinend positive Auswirkungen auf die menschliche Psyche hat (leider finde ich den Artikel nicht wieder. U.a. stand darin, dass eine Frau immer zur Arbeit gelaufen ist, aber letztendlich ihr Fahrrad nehmen musste, weil besorgte Polizeistreifen sie sonst nach Hause gefahren haben.)
    Des weiteren finde ich es sehr schade, dass ihr auf solche Sachen wie Teamsport überhaupt nicht eingegangen seid. Ich finde Einzelsport v.a. wenn er in einem abgeschlossenen Raum, ob nun Fitnessstudio oder Sporthalle, stattfindet extrem anödend und mag es, mich draußen(!) in einem Team zu bewegen und da auch die anderen kennenzulernen und zu antizipieren, wie sie sich im Raum bewegen etc.

  5. Wegen starke Frauen im Film:
    Mir fallen da spontan Sigourney Weaver in den Alien Filmen und Linda Hamilton in Terminator ein. Das waren die 80er-Anfang 90er. Starke Charaktere, die ohne Männer auskamen. Allerdings auch stark auf Mutterrollen (Beschützerfunktion für ihr Kind, Austragen eines Aliens) fixiert.

  6. Interessante Diskussion. Ich denke öfter über das Thema nach und habe glaube ich noch nicht so ganz verstanden, was da alles für Mechanismen eine Rolle spielen.
    Einerseits ist es natürlich einfach ein neues oder zusätzliches Ideal und eine Anforderung an Frauen: Sei nicht nur dünn, sondern durchtrainiert (… UND schlank natürlich), arbeite hart an dir selbst, etc.
    Andererseits habe ich selbst, als ich begonnen habe Gewichtheben und Yoga zu trainieren, ein ganz neues positives Körpergefühl gefunden. Das hat einmal damit zu tun, dass ich beim Training sehr präsent bin und sein muss und damit regelmäßig die Erfahrung mache, ganz bei mir und eins mit meinem Körper zu sein. Zum anderen ist es aber auch ein tolles Gefühl, stark zu sein und stärker zu werden – und das ist nicht so leicht davon zu trennen, dass es mir auch gefällt, stark auszusehen und sichtbare Muskeln zu haben. Also die Außensicht auf den eigenen Körper spielt schon auch eine Rolle.
    Aber für mich persönlich ist das Empowerment (deutsches Wort?) viel wichtiger und ich bin manchmal traurig, dass ich das erst mit Anfang 30 und nicht in meiner Jugend entdeckt habe.

    Zwei Artikel dazu, die ich sehr interessant und erhellend fand.
    https://thespanofmyhips.wordpress.com/2014/08/22/gender-embodiment-and-weight-lifting/

    und
    http://fitandfeminist.com/2014/10/27/i-really-dont-care-if-you-think-i-look-pretty-when-i-run/

  7. Ich muss schlucken wenn ich höre, dass es nicht nur die rundliche sondern auch eine sportliche geben soll. Für mich ist das Fatshaming. Die Dicke wär wohl nicht dick wenn sie sportlich wäre. “Health @ every size” ist ein Stichwort. Selbst beim Arzt kommt fast immer ein Satz wie “Verstehen Sie mich nicht falsch…”, “Nichts für ungut…” Oder “Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten…” und dannach IMMER ein Satz zu meinem Gewicht! Alter, das will ich hoffen! Egal, ob es um meine Mandeln geht oder ich beim Gyn bin. Ich bin mit dem Fahrrad da und das Schwarze ist meine Schwimmtasche! Ich fahre 150 km die Woche und gehe zweimal die Woche zur Aquafitness, nur so als Beispiel, was wollen Die mir sagen und was unterstellen?

    • meinst du jetzt mit “Für mich ist das fatshaming” uns?
      falls ja: Wir reden konkret über existierende Puppen und nicht über dich. diese Puppen haben ganz klare Merkmale und selbst die “rundliche” Barbie, die keinen namen hat, sondern nur “curvy” genannt wird, entspricht sicher nicht dem, was man als “erweitertes Bild von Schönheit” begreifen würde. völlig unrealistische Taille und Proportionen… schau sie dir vielleicht einfach einmal an. hingegen kann “Lammily” ganz andere Dinge, strahlt etwas anderes aus und erfüllt mehr den Wunsch von Susanne, nicht nur ein aussehendes Objekt, sondern auch ein aktives Subjekt zu sein. mehr nicht. alles andere würde ich zurückweisen – was nicht heißt, dass ich dir diese Erfahrungen, die ich von den genannten Ärzten als schlicht ÜBERGRIFFIG ansehe, absprechen will. aber wir haben so etwas weder zu dir, noch zu irgendwem gesagt.
      Liebe Grüße
      Katrin

      • ja klar beziehe ich mich auf das Gehörte. Ich fühle mich nicht persönlich angesprochen, wie auch, ihr kennt mich ja nicht. Ich meine auch nicht, dass ihr das absichtlich, geschweigedenn bösartig macht, ich höre Euren Podcast weil ich Euch für differenziert halte und mich Eure Themen interessieren.
        Es sind zwei Stellen, ich mag es nicht noch einmal nachhören und ich kenne die Puppen weder noch interessieren sie mich. Die erste Stelle ist wie oben schon erwähnt “ich hätte außer der rundlichen gern eine sportliche Puppe”, das klingt schnell nach “die rundliche kann nicht beides sein” und ziemlich weit hinten kommt ein Satz da heißt es “ich tu mich manchmal schwer mit der fatacceptance-Bewegung, ich finds schon gut wenn Menschen sich auch bewegen”… wie gesagt, ich habs nicht nochmal gehört, wörtlich kann ichs grad nicht wiedergeben. Ich halte es auch nicht für dramatisch aber es fällt mir auf. Stigmatisierung ist mein Alltag, ich werde bei jedem Eis das ich auf der Straße esse angeschaut. Ich bin die die im Schwimmbad ihre Bahnen zieht und nicht die die in der Pizzaecke sitzt und über mich herzieht wenn sie nicht gerade ihr Kind im Babybecken anbrüllt, dass es aufpassen soll. Das kratzt mich inzwischen nicht mehr aber ich kriege es mit, ja, auch übergriffig. Bei Dicksein kann jeder mitreden (und Dich darauf ansprechen oder beratschlagen, ob Du darum gebeten hast oder nicht, die Schwelle ist erheblich niedriger als bei anderen Themen), das ist so ähnlich wie bei Lehrern, Schule kann auch jeder besser.

        Liebe Grüße zurück
        Ina

        • Hallo Ina,

          die erste Aussage geht ja auf meine Kappe, deswegen einen Nachsatz dazu bzw. will ich vor allem ein Bild zeigen:

          Das ist die “curvy Barbie”, die ich alles andere als alternativ finde. Die Idee mit den neuen Barbie-Typen ist ja, mehr Mädchen Identifikationsflächen zu bieten. Mich würde interessieren: Kannst du dich mit dieser Barbie identifizieren?

          Wenn es um die Frage geht: Was würde man sich selbst wünschen? Ich wünsche mir eine sportliche Barbie. Ursprünglich (Sendung vom 3. Februar, http://lila-podcast.de/lila046-die-dicke-barbie/) entstand dieser Wunsch übrigens nicht beim Anblick der “curvy” Barbie, sondern bei der “tall” Barbie. Die ist einfach groß und weiterhin superdünn – während viele der großen Frauen, die ich kenne, inklusive mir selbst, einen ganz anderen Körperbau haben: etwas breitere Schultern, wenig Taille, sportlichere Beine.

          Falls du es so verstanden hast, dass ich anstatt einer rundlicheren lieber eine sportlichere haben wollte, so kam das falsch rüber, weil ich das Gespräch der Sendung davor extrem verknappt noch einmal wiedergegeben habe. Toll wäre es, gäbe es noch viel verschiedenere Puppen in allen Größen, Farben, Styles – dann findet jede und jeder die für sie oder ihn Richtige und vor allem: Kein Standardmaß wird zur Norm erhoben.

          Viele Grüße, Susanne

          • Hallo Susanne,

            ich empfinde die Puppe gar nicht mal als besonders rundlich oder gar kurvig. Mir ist jetzt aber tatsächlich erst klar, dass damit nicht dick gemeint ist. Bei Mode wird ja nicht mehr versucht mollig, geschweigedenn dick zu sagen, deshalb wird gerne kurvig/curvy benutzt. Nein, ich identifiziere mich nicht mit der Puppe, eher mit zweien von ihnen. (o:
            Ich hab mich auch als kleines Mädchen nicht mit Puppen identifiziert. Die normalen Puppen waren unsere Babies, mit denen haben wir Familie gespielt (oder Krankenhaus mit großen Operationen am offenen Herzen (auch an allen Stofftieren) bei denen wir das Kinderzimmer verdunkelt haben damit es dramatischer wirkt). Die größeren Puppen waren Babies oder Kindern (Mädchen) nachempfunden ohne erkennbare Geschlechtsmerkmale oder Brüste, es gab unterschiedliche Haarfarben, Hautfarben, das war es aber auch schon, vereinzelt hatten Freundinnen Jungspuppen, die pinkeln konnten, das fand ich gigantisch wenn die plötzlich nach dem Füttern ne nasse Windel hatten; auf die Freundin war ich ein wenig neidisch, ich hatte dafür eine Babypuppe mit dunkler Hautfarbe aber in ihren Figuren waren sie alle eher kindlich, die Baypuppen propper.

            Die Barbies waren keine Kinder für mich, die haben wir angezogen, ihnen Kleider genäht oder sie mit Stoffstreifen umwickelt oder sie verkleidet und mit ihnen haben wir uns eher „Erwachsenengeschichten“ ausgedacht und nachgespielt. Ich mochte an den echten Barbies (gegenüber den Plastikimitaten) dass sie aus Gummi waren und sich schön hinsetzen und tanzen lassen konnten und ich fand es toll, dass sie so schöne lange Beine hatten, da konnte man sie super greifen und ich mochte lange Haare an Puppen weil wir sie so schön frisieren konnten. Figur spielte damals keine Rolle aber ich glaub es gab auch keine Bandbreite. Beim Spielen mochte ich gerade, dass man sich in andere Welten spielen und jedeR andere sein konnte. Ich war auch immer eine große Leseratte. In Büchern bin ich aufgegangen, reingeschmolzen bis das Buch zuende war.
            Ich bin für Vielfalt und Akzeptanz und finde es toll wenn es eine große Auswahl gibt, ob es deswegen dicke Puppen geben muss, weiß ich nicht, aber warum auch nicht, ich fänds auch super, wenn es Puppen mit Rollstühlen gäbe.
            Modekataloge mag ich mit Models in allen Altersklassen, Größen und Breiten, Sjödén hat gute Ansätze.
            Ich identifiziere mich nicht mit der Puppe, ich identifiziere mich aber auch nicht mit Dicksein obwohl ich es bin. Ich meine damit, dass das meistens keine Rolle in meinem Leben spielt (es sei denn ich brauche nen neuen Badeanzug, da fällts dann schon ins Gewicht… *hahaa*, in meiner Größe einen zu finden, der nicht laut Omma schreit oder so komische harte Körbe vorne drin hat), ansonsten empfinde ich mich als ganz normal, es scheint anderen viel häufiger aufzufallen als mir, das erkenne ich dann an Blicken, Bemerkungen oder Getuschel, dann fällt es mir auch mal wieder auf aber für mich ist das ja Alltag und ich bin damit zufrieden.

            Apropos Spielzeug, hat mit dem Thema nix mehr zu tun aber ich hab grad einen Blogbeitrag über einen kleinen Jungen gelesen der vermeintliches Mädchenspielzeug liebt (my little Pony) und dass es einen Unterschied gibt, ob Jungen Mädchensachen lieben oder andersrum. Fand ich spannend, ihr vielleicht auch: http://herbadmother.com//03/the-politics-of-my-little-pony/

            Lieben Gruß
            Ina

  8. Ich hab die Sendung ganz interessant gefunden, fand aber die Gleichung sportlich gleich dünn/körperlich fit eher einschränkend. Für mich setzt sich Sport aus 3 Komponenten zusammen: körperlicher Kondition (Muskelkraft, Ausdauer, Beweglichkeit), Technik und mentaler Fähigkeit. Claire Underwood beim Joggen übt ihre Ausdauer und strahlt Selbstkontrolle, aber (wie Susanne sagt) man hat den Eindruck, sie joggt fast genau um diese Selbstbeherrschung ausstrahlen zu können.

    Was ich beim Sport interessant finde, ist, die Kombination aus diesen drei Aspekten und insbesondere den Mentalen, wenn man seine eigenen Grenzen ausbreitet bzw. überschreitet. Seit 10 Jahren betreiben wir eine Pension für Sportler_innen (Klettern, Wandern, Radfahren, Mountain Biken, Kajakfahren) und konzipieren unseren Job darin, Menschen zu den Aktivitäten zur Seite zu stehen und ihnen helfen, (ein wenig, wenn sie wollen) was Fortgeschritteneres zu machen, im Vergleich zur vorherigen „Leistung“. Was zählt ist nicht das absolute Niveau, sondern der Fortschritt: der erste Vorstieg beim Klettern „draußen“, eine besondere Spitzkehre beim Biken durchfahren, eine erste Kajakfahrt.

    Besonders beim Klettern ist es interessant. Als ich (52) mit dem Klettern (mit 12) begann, waren nur eher asoziale Jungs und Männer unterwegs. Kaum Frauen. Man unterstützte sich gegenseitig auf keinen Fall, alles war sehr kompetitiv. Heutzutage ist es ganz anders: die Hälfte der Kletter_innen sind Frauen, statt schmuddeliger Jungs in alter Jeanshose gibt es Climbing Pants und coole Shirts für ihn und für sie und man gibt sich gegenseitig Rückhalt. Es ist OK zu sagen: „Ich habe Angst“, einmal musste man einfach seinen Mann stehen, sonst war man ein Weichei usw. Sehr oft mache ich mit Gäste Sturztraining, um ihnen zu helfen, die Sturzangst zu überwinden, aber auch damit ich keine Angst habe, wenn sie mich sichern, damit wir zusammen klettern können. Wir reden über die Angst, wovor genau hat man Angst, wir zerlegen „die Hürde“ und üben, schrittweise, die kleinsten Teile „der Hürde“ zu überwinden. Das macht Spaß, das gegenseitige Vertrauen ist großartig und das Selbstvertrauen und dieser Ansatz lassen sich auf andere Lebensbereiche übertragen. Klar, ich würde mich nie von Claire oder Francis Underwood sichern lassen .

  9. ich stelle fest, dass es nicht mehr DEN einek trend gibt, was körperlichkeit angeht.

    schauspielerinnen wie rebel wilson oder melissa mccarthy werden mit immer mehr rollen bedacht und sind häufig die cooleren charaktere in den filmen und serien.

    es gibt mittlerweile sooo viele trends…es gibt nicht mehr die eine idealkörperform, wie es noch viel stärker in den 90ern propagiert wurde. ist meine wahrnehmung.
    um mich rum habe ich so viele frauen mit unterschiedlichen lebensweisen und körpern….und sie ändern all dies immer der lebenssituation entsprechend…hinzu kommen die unzähligen studien und artikel:
    “iss paleo”
    “leichtes übergewicht = längeres leben”
    “mehr sport”
    “lebe im hier und jetzt”….

    jeder sollte für sich selbst entscheiden und an den eigenen lebensschrauben drehen und keinem trend folgen.
    siehe diskussion von euch, kadda und susanne: ihr habt beide sehr gute gründe, pro bzw. contra ballet bei euren kindern zu sein.

    es gibt meistens – und bei diesem thema nie – die eine richtige antwort.

    • Hallo Madame Pinson,

      gut, dass du das ergänzt, denn ich teile dein Gefühl: Dass glücklicherweise, egal welche noch krasseren Körper- und Ernährungstrends ausgerufen werden, mehr Menschen ihr eigenes Ding machen, mehr Formen und Styles möglich sind.

      Wenn man unserer Müttergeneration zuhört, bekommt man ja manchmal das Gefühl, die haben alle zur gleichen Zeit eine Eierdiät gemacht, alles war uniformer, während heute vegan, vegetarisch, paleo, clean eating, Saftkuren, low carb und was weiß ich noch alles nebeneinander existiert. Kim Kardashian ist genauso Style-Ikone wie Michelle Obama.

      Aber dann doch: Ich habe auch das Gefühl, je unübersichtlicher die Welt wird, desto mehr Halt suchen sich viele Menschen, auch im Essen und in den Regeln, die sie sich selber aufstellen. Und da sehe ich schon den Trend: “Je härter, desto besser”, jedenfalls bei denen, die ungebrochen das allgemeine Erfolgsdiktat übernehmen.

      Viele Grüße, Susanne

  10. Hallo Susanne, hallo Katrin,

    wie immer ein toller Podcast! Ein bisschen schade finde ich eure Sichtweise auf Ballett. Ich tanze seit Jahren Ballett und dachte vielleicht teile ich meine Erfahrungen. Für mich ist Ballett vor allem ein Individualsport, wenn ich tanze, kann ich mich voll und ganz auf mich konzentrieren. Es geht auch im Ballett um viel Kraft und vor allem um das ‘sich groß machen’, Raum einnehmen und durch die volle Diagonale des Raums zu springen. Ballett zu tanzen hat mich hinsichtlich meines Körperbewusstseins selbstbewusst gemacht, ich habe meinen Körper kennen gelernt. Ich habe starke Waden, ohne sie könnte ich nicht auf Spitzenschuhen tanzen. Ich bekomme beim Ballett Anerkennung für meine Leistung und meine Fortschritte, nicht wenn ich ein paar Gramm abgenommen hätte. Dass das rosa Tütü und Mädchen-Mädchen Image abschreckend wirkt, kann ich verstehen, finde es aber gleichzeitig irgendwie auch schade. Wenn Ballettstudios Mädchenräume sind, weil eben gerade nur Mädchen tanzen, dann lassen wir doch die Mädchen diese Räume gestalten. Für mich war Ballett nie Körperwahn, sondern Tanzen mit Kreativität und gleichzeitig einer wirklich anspruchsvollen Technik. Es macht Spaß! Ich denke es kommt hier – wie zum Beispiel auch beim Turnen – darauf an, was vermittelt wird, welche Konkurrenzsituation gefördert wird und mit Sicherheit auch auf die lehrende Person.
    Ich möchte damit nicht verharmlosen, welcher Druck unter Umständen im professionellen Bereich auf den Tänzer_innen lastet und welche Bedingungen dort herrschen. Aber ich finde es schade, wenn dieses Image der gesamten Sportart angeheftet wird und deshalb aus feministischer Perspektive da das Urteil so hart ausfällt.

    Liebe Grüße!

    • Liebe Peps,

      danke für deinen Kommentar und ich hoffe, dass es im Podcast nicht so rüberkommt, dass ich Menschen verurteile, die Ballett machen. Gar nicht. Ich selbst habe nur sehr starke Gründe, es für meine Tochter nicht zu wollen, wie ich ja auch in der Folge erzähle. Tanzen allgemein ist supertoll. Wenn sie mal Jazzdance oder Breakdance oder anderen Tanz machen will: klar, los geht’s.

      Sie wird noch viel ausprobieren in ihrem Leben, denke ich.
      Und dann irgendwas machen, was ihr richtig viel gibt.

      Viele Grüße, Susanne

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