Lila073 Medienlese zum 1. Mai

| 4 Kommentare

Wir sind ja belesene Menschen und deswegen blättern wir in dieser Sendung durch Zeitungsartikel, die von Barbara sogar auf totem Holz raschelnd vorgestellt werden. Es geht um rechte Frauen, wütende Frauen, Dior-Feminismus und #EveryDaySexism… am Schluss je ein Comic- und ein Podcast-Tipp für den Mai 🙂

avatar Barbara Streidl Amazon Wishlist Icon
avatar Katrin Rönicke Amazon Wishlist Icon
Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

 

Links und Hintergründe:

Comic-Empfehlung: Can't we talk about something more pleasant?

4 Kommentare

  1. Hallo!

    Mich verblüfft es, wenn solche Thesen aufgestellt werden, wie dass Feministinnen Le Pen gut finden müssten. Ja, ich finde es gut, wenn es mehr Frauen in Führungs- oder Machtpositionen gibt. Nein, ich finde rechte Parteien, die fremdenfeindlich rassistisch, antifeministisch und homophob sind, nicht gut. Da entsteht auch dann kein unauflöslicher Widerspruch, wenn eine Frau an der Spitze so einer Partei steht. Ich kann einerseits den Wunsch haben, es möge auch mal eine Frau Präsidentin Frankreichs sein und andererseits aber nicht wollen, dass der FN mit einer Frau diese Wahl gewinnt. In dem Fall überwiegt für mich die Ablehnung gegen die rechten Positionen. Ich fände es viel unlogischer, wenn ich den Wunsch nach mehr Frauen in Führungspositionen habe und ich wähle eine rechte Partei, die im Prinzip Frauen lieber zurück an den Herd drängen will.

    Irgendeiner Art von Ambivalenz ist außerdem bei Wahlentscheidungen auch normal, es sei denn man meint, die Welt bestünde nur aus entweder, oder.
    Ich schau mir eine Partei an und denke, ach da gibt es eine Person, die ich ganz kompetent finde oder die Partei vertritt eine Position, mit der ich übereinstimme, aber dann widerum sagt mir diese Partei bei anderen Themen nicht zu. Bei mir persönlich löst da fast jede Partei erheblich ambivalentere Gedanken aus als eine rechte.
    Indem man solche Eindrücke gegeneinander abwägt, trifft man in einer Demokratie jedenfalls doch eigentlich eine Wahlentscheidung. Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die Wahlentscheidungen aufgrund von einem einzigen Punkt treffen. Wahrscheinlich….aber es wäre nicht sehr clever.
    Dass Feministinnen auf einmal reduziert sein sollen, nicht nur auf ihr Feministinsein, sondern auch noch auf diese eine Forderung nach mehr Frauen in Machtpositionen (welche ja außerdem auch beileibe nicht für alle Feministinnen eine total zentrale Forderung ist), ist wieder so eindimensional, dass ich es schwer finde, das als Einwand ernst zu nehmen. Leider empfinde ich es generell so, dass in Medien wie der Zeit feministische Themen ganz oft auf nicht ernstnehmbare, unkomplexe Art eingebracht werden.

  2. Zusatzinfo: Felix Baumgartner, den Ihr im Zusammenhang mit der Unterhosenwerbung erwaehnt, ist uebrigens ein oeffentlicher Unterstuetzer der FPÖ. Das passt doch, oder?

  3. Hallo!
    Ich höre euren podcast unter anderem weil eure Wahrnehmung so spannend unterschiedlich ist von meiner, und ihr sehr gut darin seid, eure Wahrnehmung explizit zu beschreiben.
    Ihr diskutiert über einen Artikel mit dem Anreißer “Viel ist von empörten weißen Männern die Rede, die fremdenfeindliche und autoritäre Parteien wählen. Dabei sind gerade in Ostdeutschland auch viele Frauen für solche Positionen empfänglich”. Katrin sagt davon bekäme sie gleich ein ungutes Gefühl, weil (ich paraphrasiere) weibliche Wut mit Rechtspopulismus verbunden und somit stigmatisiert würde. Auf die Interpretation/Assoziation wäre ich nie gekommen, aber ich kann das nachvollziehen.
    Ihr seid dann nicht mehr dazu gekommen den buchstäblichen Inhalt des Artikels zu besprechen, und so findet Katrin es dann interessant “darüber zu sprechen, warum es eigentlich eher so die Männer sind, in vielen Fällen, die zum Beispiel bei der AfD mitmachen, das ist dann ja nochmal eine andere Frage”. Ich sehe da nicht eine andere Frage, sondern genau das Mantra, das der Zeit Artikel in Frage zu stellen versucht.
    Seht ihr das auch so, also dass an der Stelle vor lauter Kontext (der wichtig ist) der Inhalt auf der Strecke geblieben ist?
    Viele Grüße,
    Jim

    • hi,
      ich hatte den Artikel vor der Sendung nicht vorliegen, weil ich kein Abo hatte. Deswegen konnte ich nur auf der eher abstrakteren Ebene darüber sprechen und das habe ich getan. Dass Frauen und Wut thematisiert wird finde ich ja gut – nur eben nicht, dass dann NUR Frauen aus der rechten Ecke porträtiert werden. Damit stellt man die Wut der Frauen implizit auch in die rechte, ergo unschöne, fiese, böse Ecke. Im Nachhinein, also mit Kenntnis des Artikels, den es auch online gibt, muss ich sogar sagen, dass ich ihm einfach ein “Thema verfehlt” für die Überschrift und dem dann folgenden Artikel geben würde. es geht nicht um weibliche Wut, sondern um die Frage, warum auch Frauen “so blöd/böse/fehlgeleitet” sind, dass sie AfD, Trump etc… gut finden. Und auch DIESE Fragestellung ärgert mich: Warum denn nicht? Da hat Barbara ganz recht: Sind Frauen nicht auch einfach bloß Menschen?
      die Überleitung ““darüber zu sprechen, warum es eigentlich eher so die Männer sind, in vielen Fällen, die zum Beispiel bei der AfD mitmachen, das ist dann ja nochmal eine andere Frage”.” bezog sich dann ja schon wieder auf einen ganz anderen Text… und ich sehe auch nicht, dass der ZEIT-Artikel erfolgreich widerlegt, dass “Die AfD […] trotz ihrer weiblichen Parteivorsitzenden eine Männerpartei [ist]. Laut Allensbach-Erhebungen sind 61 Prozent der AfD-Anhänger männlich. Rund 23.000 Männer sind Mitglieder der Partei und nur rund 5000 Frauen.” – insofern stimmt mein “das ist dann ja nochmal eine andere Frage” vollkommen richtig, oder?

      aber: ich antworte erst jetzt, weil ich von deinem Kommentar auch erstmal verwirrt war (und weil ich mich diese Woche zu viel auf einer gewissen Netzkonferenz herumtrieb) – dieser scheinbare Widerspruch ist aber wirklich nur ein scheinbarer.

      Sonnige Grüße
      Katrin

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.