Lila107 Von Samstagsmüttern und Männern im Feminismus

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Seit 23 Jahren gehen in der Türkei Frauen immer samstags auf die Straße, um zu demonstrieren: die Samstagsmütter oder Samstagsfrauen. Ihre Söhne wurden inhaftiert und gelten als vermisst. Diese Demonstrationen sollen verboten werden. Ein Unding, finden Katrin Rönicke und Barbara Streidl.

Statt eines Verbots sollte das “Verschwinden” aufgeklärt werden. Weitere Themen in dieser Sendung sind der Umgang mit den Werken des Künstlers Balthus, das Unternehmen Goop von Gwyneth Paltrow, der Roman “Das weibliche Prinzip” von Meg Wolitzer und die Hörerfrage “Können Männer Feministen sein?”.

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10 Kommentare

  1. Ich freue mich sehr über eine wöchentliche Folge des “Lila Podcast”!!! Ich lese gerade “The Female Persuasion” und bin da ganz bei euch, mich haut das Ganze auch leider nicht um, da ich ebenfalls keinen Bezug zu den Charakteren finden kann. Ich finde aber, das das Ganze eher zu wenig an der Realität ist. Ich kann mich der auch der Kritik in der Missy anschließen, dass das Buch aktuelle Debatten um Feminismus of colour, Sexarbeit und den Ausschluss von Trans-Menschen eher etwas zaghaft aufgreift.

    Zum #MenAreTrash Hashtag bin ich allerdings gar nicht eurer Meinung, ich glaube in einem Text (oder war es in einem Gedicht auf Missy Online?) hat Sibel Schick noch mal herausgestellt, dass das Ganze auf ein strukturelles Problem hinweist und nicht auf männliche Einzelpersonen gilt. Aufgrund der Machstrukturen halte ich ihn nicht für menschenfeindlich, eher als polemische Zuspitzung. Habe auch gelesen, dass er von einer südafrikanischen Feministin stammt, als Reaktion auf den Mord einer Freundin. Die Reaktionen (vor allem im deutschsprachigen Raum) auf den Hashtag beweisen leider, wieso er gewählt wurde. Ich finde auch, dass der englische Ausdruck “being trash” nicht so sehr mit dem deutschen “Müll” gleichgesetzt werden kann, da er eher auch etwas ironisch genutzt wird.

    Freu mich auf die nächste Folge!

    • Huhu,
      vermutlich meinst du den Text bei ze.tt. Ich verstehe, was Leute, die das Hashtag nicht abstößt, dazu bringt. Aber ich selbst habe mich ein paar Stunden durch die Debatte auf twitter gewühlt, als es wirklich gerade sehr heiß und hitzig hin und her ging und ich muss sagen, dass ich deine Meinung, es sei nur eine polemische Zuspitzung, nicht teilen kann. Was darunter – auch von Sibel Schick selbst – so alles geäußert wurde, war misandrisch bis zum geht nicht mehr. Und dass die Reaktionen beweisen sollten, dass der Hashtag stimmt, finde ich eine gewagte These. Natürlich hat sich Hass-Twitter davon aufgefordert gefühlt, seine schlechteste und misogynste Seite zu zeigen, aber das waren ja doch eher die üblichen Verdächtigen. “Haters gonna hate”, sag ich da nur – und eine gute Gelegenheit, Leute wegzublocken (immerhin dafür war der Hashtag dann doch gut). Von diesen zu jeder sich bietenden Gelegenheit hassenden Arschl… auf den Rest der Männer zu schließen, muss ich mit der Frage ablehnen, seit wann wir eigentlich Pars pro toto-Argumente akzeptieren? Und diese überspitzte Polemik lasse ich auch deswegen nicht gelten, weil ich auch schon Wochen davor bei einigen der Leute, die das Hashtag als ernst gemeinte Kampagne für eine “feministische” Aussage dann nutzten, so kruden Kram gelesen habe, wie “Weiße Frauen können sowieso keine Feministinnen sein” und dergleichen. Das ist Provokation um der Provokation willen und leider habe ich sonst von diesen Leuten sehr wenig mit Substanz gelesen. Und für solche plumpen Bashings ist mir meine Zeit am Ende zu kostbar.

  2. Obwohl ich die Wut und die Ohnmacht hinter der Entstehung des Hashtags verstehe, fand ich die Art und Weise, wie das hier teilweise genutzt wurde auch nicht gut.
    Ich weiß, dass es manchmal sehr schwer fällt, sachlich zu bleiben oder nicht in irgendeinen diffusen Hass zu rutschen, wenn man täglich beleidigt und bedroht wird, aber wir wollen doch nicht genauso werden wie das, was wir eigentlich bekämpfen.
    Trotzdem haben mich auch die extrem misogynen Reaktionen erschrocken und die sollten auch nicht verharmlost werden.

    Ich habe mir die Bilder von Balthus mal angesehen und für mich sind das auch eindeutig Kinder. Abgesehen von der Art der Darstellung hat mir aber auch der Zeichenstil gar nicht zugesagt, den fand ich richtig unangenehm.

    Ansonsten hoffe ich, dass alles so klappt, wie ihr es euch vorstellt und freue mich sehr, dass ich nun wöchentlich den Lila Podcast genießen darf. 🙂

  3. Ich bin hin und hergerissen ueber die Nachricht, dass Ihr nun woechentlich sendet. Einerseits freue ich mich, denn ich war immer ganz gluecklich, eine neue Folge in meinem Podcatcher zu finden.
    Aber ich befuerchte, dass die Folgen nun staerker als frueher ein Sammelsurium unterschiedlicher Themen und vor allem Geplauder werden. Das wuerde mich eher abschrecken.
    Bei der aktuellen Folge war das fuer mich jedenfalls so. Zu belanglos, zu viel Zeit zum Beispiel verschwendet (klar, das finden andere vielleicht anders) beim Geplaenkel ueber das Businessding von Gwyneth Paltrow.
    Wuerde mich interessieren, ob andere diesen Eindruck/ diese Sorge teilen und wie ihr das als Macherinnen diskutiert.

    • Hey Silke,
      danke für deine Nachricht, und deine Befürchtung. Dass dich das mit Gwyneth Paltrow nicht interessiert hat – okay, uns ging das anders. Aber in der Sendung sind ja auch jede Menge andere Sachen besprochen worden, und in einer “bunten” Sendung kann es ja durchaus sein, dass dich nicht alles total begeistert.
      Du befürchtest, dass der Lila Podcast ein Sammelsurium unterschiedlicher Themen werden könnte, wie du schreibst, nun das ist er ja. Drei Frauen sprechen über unterschiedliche Themen, setzen Akzente und Schwerpunkte. Immer aus feministischer Perspektive.
      Vielleicht magst du uns zum besseren Verständnis ein “Positiv-Beispiel” nennen, also etwas, was für dich gelungen klingt – als Pendant zum “Negativ-Beispiel” Gwyneth Paltrow.
      Ein Austausch mit euch Hörerinnen und Hörern über das, was ihr hier gerne haben wollt, ist uns wichtig, wir haben ja oft Aufrufe, Umfragen, usw. dazu und wollen den Dialog natürlich weiterführen.

  4. Habe euch erst vor kurzem entdeckt und bin jetzt fleißig dabei, viele eurer Folgen anzuhören! Danke für viele spannende interessante Themen.
    Eine Anmerkung zum neuesten Podcast, Warum den unbedingt „beim warten auf die Frisörin oder den Zahnarzt?“ (min 27). Ist natürlich nur ne Kleinigkeit, aber finde es einfach schade, wenn Beispiele so Klischee Mann/Frau sind.
    Liebe Grüße

    • Hey Rebecca, schön, dass du uns gefunden hast! Ich wünsche großen Hörgenuss.
      Ja, und zum von dir genannten Beispiel, da muss ich viel ausholen: Natürlich bin ich mir dieser Klischeeproblematik bewusst. Gerade Friseurin ist einer der typischen Mädchenberufe (obwohl im Zuge des Barber Shop Hypes Männer nachziehen); und wahrscheinlich ist im Fachbereich Neurologie die Frauenquote niedriger als im Fachbereich Zahnmedizin.
      Aber:
      Noch nie hat ein Mann meine Haare geschnitten, obwohl ich in meinem Leben schon in vielen Salons war. Meine Friseurinnen heißen aktuell Anna und Hajdi. Gehe ich mit meinen Söhnen in einen Salon, werden sie immer von Männern bedient. Ich habe darüber schon mit meiner Friseurin Anna gesprochen, sie sagt, ähnlich wie beim Schneidern (Maßschneidern von Kleidung) gibt es Spezialisierung. Frauenhaare werden anders geschnitten als Männerhaare. Männerhaare oft mit der Maschine, aber auch mit der Schere. Und und und.
      Tja. Und mein Zahnarzt war jahrelang ein Mann. Der, der mir die Weisheitszähne rausnahm. Der, der meine Kiefergelenkarthrose behandelt hat. Und und und. Somit siehst du, dass die Beispiele direkt aus meinem echten Leben stammen. Das vielleicht Klischees bestätigt. Aber nicht erfunden ist.
      Beste Grüße! Und danke fürs aufmerksame Zuhören – du siehst, ich rede auch voller Aufmerksamkeit…

  5. Liebe Lila-Podcasterinnen,

    ich freue mich sehr das Ihr von nun an wöchentlich eine Folge herausgeben wollt. Vielen Dank hierfür schon einmal im Voraus!

    Wie unterschiedlich doch die Einschätzungen sind; im Gegensatz zu Silkes Kommentar fand ich das “Geplänkel” über Goop ehrlich gesagt sehr unterhaltsam, erhellend und aufschlussreich. Ich finde es immer fein, wenn man im Podcast zuhören darf, wie sich auch mal eine Meinung über ein Thema gebildet wird bzw. es halt nicht so klar ist was jetzt die “richtige” Meinung zu einem Thema ist.

    Bei den Demonstrationen in Istanbul hätte ich mich über den Zusatz gefreut, dass es nicht nur Mütter sind die dort seit Jahren regelmässig demonstrieren (wird ja in dem verlinkten Taz Artikel auch sehr deutlich, dass es ein Protest der Angehörigen ist).
    Denn natürlich möchten auch Väter, Verwandte, Geschwister, Freunde Gewissheit was mit den Verschwundenen passiert ist (auf Gerechtigkeit kann man in dem Umfeld vermutlich nur noch schwer hoffen).

    Viele liebe Grüße
    Marek

  6. Liebe Lila-Podcasterinnen,
    Danke für eure regelmäßigen und jetzt auch noch wöchentlichen Sendungen. Find ich super.

    Zwei Anregungen:
    1. Ihr seid, neben ein paar anderen Quellen, mein Einstiegsmedium in den Feminismus gewesen. Ich finde, ihr erklärt das meistens super einsteigerfreundlich und argumentiert plausibel und sachlich. Nur manchmal lasst ihr Namen von Autorinnen oder Künstlerinnen fallen, die für euch wahrscheinlich schon selbstverständlich sind, die Feminismusanfänger aber noch nicht kennen. Ich fänds gut, wenn ihr dann in 1-2 kurzen Sätzen noch was zu der Person sagt (auch wenn ihr das vielleicht schon in vergangenen Sendungen gemacht hab, aber es gibt ja immer wieder Neueinsteiger)

    2. Sehr interessant fand ich u.a. eure Sendung, wie man Mädchen feministisch erzieht. Ich hab eine Tochter und einen Sohn. Und ich finde (und das habt ihr ja auch schon mehrmals angemerkt), dass es vielleicht noch wichtiger ist, nicht nur Mädchen feministisch zu erziehen, sondern v.a. auch Jungs. Fänd ich super, wenn ihr zu dem Thema auch noch mal eine extra Sendung machen könntet und von euren Erfahrungen berichtet. (sollte ihr das schon ausführlich gemacht haben, dann hab ichs überhört)

    Und passend dazu noch ein Musiktipp.
    Die Band Idles spielt britischen Postpunk. Und speziell der Song Samaritans bewegt mich gerade sehr.

    Joe Talbot verarbeitet in dem Text seine persönlichen Erfahrungen mit der “toxischen Männlichkeit”, wie er erzogen wurde. Keine Schwäche zeigen, hart sein etc.

    Der Song zählt die ganzen Floskeln auf, die man zu Jungs sagt, wenn sie emotional sind und mündet im Refrain, der alles auf den Punkt bringt: “This is why you never see your father cry”

    Wenn euch die Musik gefällt: Idles sind bald auf Deutschland-Tour.

    • Danke für die Anregungen und die konstruktive Kritik! Wir schauen mal, dass wir vielleicht wirklich in unserem Kalender eine Sendung über Söhne unterbringen – wir haben ja auch alle drei welche. Von daher…
      Mir ist in letzter Zeit ein Song im Radio immer im Kopf, der Refrain ist: “Don’t beat the girl out of my boy” von Anna Calvi. Das passt auch genau da rein. Zu ihrem Song heißt es: “A battle cry with a rousing chorus, the song was partly written while thinking about how young children are when they’re conditioned to follow gender roles – in particular, the “heartbreaking” process through which small boys are taught not to cry or show emotions.”

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