Lila141 Misogyne Horrorbräuche

| 12 Kommentare

In dieser Folge schauen wir, welche anscheinend harmlosen Bräuche eigentlich zutiefst patriarchal und frauenfeindlich sind.

In der Slowakei werden junge Frauen zu Ostern mit eiskaltem Wasser überschüttet, auf Borkum werden sie zu Nikolaus gejagt und verhauen, in Indien werden sie zwangsverheiratet, um nach einer Vergewaltigung ihre “Ehre” wiederherzustellen, in Australien wird jungen Studentinnen in die Shampoo-Flasche onaniert, und die Tradition der Brautraubs hat eine Geschichte, die nicht nur Katrin die Sprache verschlägt.

Auf eure Anregung hin haben wir mal in der Welt umgeschaut, welche Traditionen und Bräuche es bis heute gibt, die eigentlich schlicht sexistisch sind.

Außerdem habt ihr nach unserem Medienkonsum gefragt – also erzählen wir euch, wo wir am meisten über das Weltgeschehen lernen und empfehlen tolle Podcasts und Newsletter weiter.

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12 Kommentare

  1. Ihr Lieben,
    die Diskussion zur Vergewaltigung in der Ehe hat mich als Schüler so schockiert, dass ich das Abstimmungsverhalten 15 Jahre später recherchiert hatte. Ich glaube, bisher das einzige mal, dass mich eine namentliche Abstimmung interessiert hat. Regelmäßig weise ich meine Schüler*innen auf diese Möglichkeit hin; zufällig zuletzt gestern.
    Ich danke euch, dass ihr auch darauf hinweist und das Dokument verlinkt habt.
    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende
    Philipp

  2. Hallo,
    ich fand diese Folge sehr interessant und stimme Philipp zu, dass das Abstimmungsverhalten einiger Politiker sehr schockierend ist (und dass die teilweise heute noch hohe Ämter innehaben finde ich traurig).
    Ich habe einiges Neues gelernt und fand den Überblick über die Bräuche auch sehr spannend.
    Allerdings bin ich mit einer Aussage nicht ganz einverstanden. Eine von euch, ich bin mir nicht mehr sicher, wer das war, hat gesagt, dass das Phänomen, das Frauen nach der Heirat den Namen des Mannes annehmen, vor allem in Deutschland verbreitet wäre und in den USA bsp. gar nicht. Das stimmt aber nicht! Viele Menschen in den USA sehen es als normal an, dass die Frau den Namen des Mannes annimmt. Umgekehrt passiert es dagegen auch dort nur sehr selten. Ich hab jetzt auf die Schnelle mal 2 Artikel dazu gefunden:
    https://www.theatlantic.com/family/archive/2018/07/why-dont-more-men-take-their-wives-last-names/565898/
    Und
    https://www.nytimes.com/2015/06/28/upshot/maiden-names-on-the-rise-again.html

    Ich glaube, dort ist es ähnlich wie hier, dass es mit zunehmendem Bildungsgrad und Alter wahrscheinlicher wird, dass die Frau ihren Namen behält bzw. vllt sogar der Mann ihren Namen annimmt.
    Ich finde es total traurig, dass es nicht bei ungefähr 50:50 ist und man sich auch heute immer noch dafür rechtfertigen muss und dumme Sprüche zu hören bekommt (als Mann und als Frau), wenn der Mann sich entscheidet, den Namen der Frau anzunehmen. So war es zB bei uns. Nur eine einzige Freundin hat normal reagiert, alle anderen fanden es total seltsam bis hin zu “unmännlich”. Das finde ich auch aus männlicher Sicht total problematisch, denn man wird schon wegen so einer Kleinigkeit von anderen als “weniger männlich” wahrgenommen.

    Ich hoffe, ihr könnt mit meinen Anmerkungen etwas anfangen.
    Viele Grüße
    Verena

  3. Hallo ihr Lieben!
    Ich fand es sehr schön, dass ihr in der Folge auf misogyne Praktiken in Deutschland eingegangen seid. Gerade deshalb fand ich die Darstellung, wir befänden uns weltweit auf einem “Zeitstrahl des Patriarchats” aber durchaus problematisch, vor allem mit der Bezugnahme auf die UN. In Erklärungen und Berichten der UN, Amnesty, Human Rights Watch etc. finden sich häufig unfassbar euro-/okzidentalistische Darstellungen. Dieses Othering ist gerade dort, finde ich, sehr gefährlich und wurde auch schon zahlreich – z.B. von “Third World Feminists” – kritisiert. Man nimmt solche Darstellungen vor allem von solchen Organisationen gern hin, deshalb wollte ich euch mal auf diese Perspektive aufmerksam machen und vor allem darauf, dass gerade dort auch keine absolute Wahrheit verkündet wird.
    Viele Grüße!
    J

    • Hallo J,
      nur zum Verständnis: würdest du denn abstreiten, dass man den Zustand einer Gesellschaft danach beurteilen kann, wie sie ihre Frauen behandelt?
      Ich bin nämlich immer skeptisch, Aussagen nur deswegen abzulehnen, weil sie angeblich zu eurozentristisch sind.
      Dass nirgendwo absolute Wahrheiten su finden sind, ist ja vollkommen klar. Aber grade in Gender-Fragen kann ich leider hinter diese Feststellung nicht zurück – zumal sich das ja null auf bestimmte Staaten beschränkt – das wird ja insbesondere auch in Europa immer wieder mit dem umgekehrten Vorzeichen des “Backlash” (als Gegenteil von Fortschritt) diskutiert.
      “Third World” ist hingegen in meinen Augen ziemliches Othering und der Begriff wird aus guten Gründen nicht mehr verwendet, um bestimmte Länder als quasi zu einer anderen Welt gehörig zu markieren.
      Liebe Grüße,
      Katrin

      • Liebe Katrin!
        Da habe ich mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Ich würde euch in jedem Fall zustimmen, dass die Geschlechtergerechtigkeit ein Maß für gesellschaftlichen Fortschritt ist. Mein Problem lag darin, dass ihr dazu auf die Sichtweise der UN verwiesen habt. Deren Veröffentlichungen (z.B. zu „Traditionellen kulturellen Praktiken, die Frauen und Mäfchdn schaden“, so heißt glaube ich ein Bericht) beziehen sich leider meist ausschließlich auf nicht-„westliche“ Prakriken, was ich problematisch finde und was ja auch eurer Darstellung, die ich wie gesagt gelungen fand, widerspricht. Daher mein Hinweis!
        „Third World Feminists“ ist die Selbstvezeichnung zahlreicher Aktivist*innen aus Ländern, um die es in solchen Berichten häufig geht, bspw. Uma Narayan – meinen Bezeichnung für diese Personen oder die Region war das selbstverständlich nicht.
        Ich hoffe, das konnte Klarheit schaffen.
        Viele Grüße, J

  4. Hallo und vielen Dank zunächst für den Podcast,

    ich fand die Geschichte am Flughafen unfassbar und wäre selbst wahrscheinlich explodiert. Zum Hymen hätte ich noch einen Tipp, gerade gibt es in der taz online einen Kolumnenbeitrag von Mithu Sanyal dazu: https://www.taz.de/!5588037/
    Ich denke man kann nicht oft genug erwähnen, was das für ein Märchen ist und vor allem wie fatal die Folgen, dass sich Frauen deswegen Operationen unterziehen um den Vaginaleingang verengen zu lassen. Laut dem Text, heißt in Schweden das Jungfernhäutchen schon seit 10 Jahren anders – nämlich vaginale Korona, das fand ich sehr interessant.
    Dann noch einen Dank für die Podcast-Auflistung…eventuell hat sich ein Fehler eingeschlichen, hitten brain ist bestimmt hidden brain. Obwohl ersteres auch witzig ist…vielleicht habt ihr in der Folge zu viel über das Schlagen geredet (o;

    Liebe Grüße

  5. Hallo zusammen,

    ich möchte noch auf den Podcast ,,hr2 – der Tag” hinweisen, den ich sehr empfehlen kann! Hier werden unterschiedliche Perspektiven auf ein (meist tagesaktuelles) Thema aufgezeigt. Trägt ungemein zur Informiertheit und zur Bildung bei und ist sehr angenehm zu hören!

    https://www.hr2.de/gespraech/der-tag/index.html

    Ganz liebe Grüße,

    Henriette

  6. Hallo Zusammen,

    herzlichen Dank für diesen erneuten tollen Podcast!
    Durch eure Beschreibung von frauenfeindlichen Bräuchen habe ich zum ersten mal das Maibrauchtum in meiner Heimat Würselen von einem feministischen Standpunkt hinterfragt, wo jedes Jahr Frauen als Maikönigin ersteigert werden: “Bei der Versteigerung werden unverheiratete Mädchen ab 16 Jahren unter den Junggesellen eines Dorfes versteigert.” (Wikipedia, Maibrauchtum (Rheinland)).
    Ich selbst bin dort auch versteigert worden, als 16 jähriges Mädchen fand ich es natürlich toll, dass ich einmal fast Maikönigin dadurch geworden wäre. Der mit der teuersten ersteigerten Frau wurde bei uns Maikönig.
    Insgesamt sind die Jungenspiele eigentlich ein schönes Fest, bei dem viel gefeiert und vor allem getrunken wird. Aber es hat etwas mit mir als Mädchen gemacht, nämlich den Gedanken durch möglichst viel Investition in Schönheit und Nett-Sein einem Jungen auffallen zu müssen, um in der Heimat einen Platz im Brauchtum zu bekommen.
    Ich werde jetzt auf jeden Fall das Gespräch mit anderen Frauen suchen, wie sie das damals empfunden haben.

    Beste Grüße
    Ilona

  7. Es gibt KEIN Hymen bzw. ‘Jungfernhäutchen”! Auch das ist ein patriarchaler Mythos der möglichst nicht reproduziert werden sollte!
    http://wordpress.ellaberlin.de/kranz-der-vulvina/

  8. Auf eure Frage, ob wir, die Hörer, noch weitere Horrorbräuche kennen:
    Die Tatsache, dass Artikel online anders bewertet werden, ist mir bei “Brauch” sofort in den Kopf geschossen. Während man einen schlechten Artikel von einem Mann einfach ignoriert und weiter klickt, werden, sobald er als von einer Frau produziert erkannt wurde, gehässige Kommentare darunter geschrieben…

  9. Liebes Lila podcast Team,
    Am Samstag hab ich ganz viel an diesen podcast gedacht. Ich war zu einer Hochzeit in der nördlichen Oberpfalz eingeladen. Es war nicht meine erste, znd sowohl die Familie als auch ich haben uns gut arrangiert damit, dass wir uns mögen, aber sehr unterschiedlich leben und denken.
    Bei der obligatorischen Brautentführung hat es mich dann aber doch geschockt. Alle Anwesenden sangen lautstark ein Lied, dass ganz offensichtlich von einer Vergewaltigung einer jungen Frau handelt. Lachend, gröhlend, auch die Frauen. Ich musste da erstmal an die Luft.
    Danke, dass ihr macht, dass ich mich in solchen Momenten nicht ganz so allein und sprachlos fühle!

    Hier der Link zum Text:
    https://www.lyrix.at/t/various-artists-donaulied-2fc

    • Liebe Juliane,

      ich hab mir gerade den Text durchgelesen und krieg den Mund nicht mehr zu. Das singen Leute heute noch? Auf einer Hochzeit? Ugh. Das ist total furchtbar. Ich weiß gar nicht, was ich jetzt sagen soll, fängt man da an zu diskutieren, schluckt man seinen Ärger runter, haut man irgendwo mit der Faust gegen die Wand?

      Wenn wir dir mit dem Podcast den Rücken stärken können, freut mich das auf jeden Fall schon mal sehr. Viel Kraft bei der nächsten Familienfeier, liebe Grüße, Susanne

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