Lila114 Wenn eine Frau ihren Bauch vermietet

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Wir sprechen von „Leihmutterschaft“, wenn eine Frau das Kind einer anderen austrägt. Sie „verleiht“ sozusagen ihre Gebärmutter für die Dauer einer Schwangerschaft. Ungefähr seit den 1970er Jahren ist das möglich aufgrund von Quantensprüngen in der Reproduktionstechnologie. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, andere Länder wie etwa Indien oder die USA handhaben das anders.

In dieser Sendung geht es um die Frage, ob die alte feministische Parole, „Mein Bauch gehört mir“, auch in Sachen Leihmutterschaft anzuwenden ist. Ist es eine freiheitliche Entscheidung, die Gebärmutter zu vermieten? Oder ist es die letzte Hoffnung von Frauen, die angesichts von Elend und Armut ihre Körper für ein kleines Salär zur Verfügung stellen? Ja, sogar den Tod in Kauf nimmt – Dr. Sheela Saravanan hat in ihrer Forschung in Indien durchaus von Frauen gehört, die während der Leihmutterschaft sterben. Was ist, wenn eine Frau das Kind trotz vorheriger Abmachung nicht „abgeben“ möchte? Und schließlich, wer ist die Mutter eines Kindes, das über Leihmutterschaft und anonyme Eizellenspende im Reagenzglas entstanden ist? Wie wichtig es ist, dass Eltern ihren Kindern die Geschichte ihrer Herkunft erzählen können, davon spricht die Familientherapeutin Petra Thorn. Viele Fragen drängen sich auf, wenn über Leihmutterschaft nachgedacht wird. Barbara Streidl macht sich in dieser Sendung auf die Suche nach Antworten.

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Infos und Hintergründe:

  • Aufsatz von Dr. Sheela Saravanan in der Streit
  • Beitrag über Leihmutter Brendy Hammel
  • Germaine Greer kritisiert Elton Johns Konzept von Mutterschaft
  • Buchtipp: Margaret Atwood, „Der Report der Magd“
  • Bedeutung von „Der Report der Magd“ nach der Trump-Wahl
  • Ist Leihmutterschaft eine feministische Errungenschaft?
  • Leihmutterschaft in der Bibel, im ersten Buch Mose, Genesis 30
  • Das am 13. Dezember 1990 erlassene „Embryonenschutzgesetz
  • Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten
  • Schweden verbannt Leihmutterschaft
  • Yellow press über Streitigkeiten zwischen Leihmüttern und Wunscheltern (noch ein Link dazu)
  • Israel lässt homosexuelle Paare in Sachen Leihmutterschaft links liegen
  • Leihmutterschaft in den USA
  • Veränderungen der Rechtssituation in Indien
  • Buchtipp: Martin Suter, „Elefant

Sprecherinnen und Sprecher:

Alexandra Martini, Katrin Rönicke, Henry Singleton

Produktion:

Barbara Streidl mit Verwendung von Musik von bensound.com und Geräuschen von freesound.org

9 Kommentare

  1. Hallo, ich möchte mich ausschließlich zum Fazit der Folge äußern.
    Erstmal stimme ich mit der Aussage Barbara überein, dass die heutige Situation nicht gut ist und der Gesetzgeber eingreifen müsste. Auch finde ich den Vergleich zur Prostitution nicht so verkehrt und die Idee hatte ich während des Hörens auch.
    Bei Barbara hört es sich so an, dass sie für ein Verbot der Leihmutterschaft ist, auch wenn sie dies nicht explizit sagt.
    Ich komme aus den selben Gründen wie Barbara aber zu dem Schluss, dass man Leihmutterschaft eben nicht verbieten sollte, sondern das eben schon das Verbot ein Teil des Problems ist.
    Warum werden ein Teil der Frauen in z.B. Indien ausgebeutet, weil es hier keine Möglichkeit zur Leihmutterschaft gibt. In Deutschland könnte und sollte man anständige Schutzgesetze erlassen, die die meisten in der Folge aufgezeigten Probleme verhindern, und damit die Ausbeutung in armen Ländern minimiert. Klar bleibt dann immer noch der Kostenvorteil, den wird man aber ohne Abschaffung des Kapitalismus nicht verhindern können (wie bei anderen Bereichen z.B. Textilindustrie sieht).
    So hätten die Eltern zumindest eine Möglichkeit ihren Kinderwunsch moralischer zu stillen.
    Ich halte eine sinnvolle Regulierung für deutlich besser als Verbote wie die Beispiele Prohibition und Prostitution zeigen. Man stelle sich vor, man hätte die Industrialisierung im 19 Jahrhundert verboten mit den Argumenten Ausbeutung und Gesundheitsrisiken für Arbeiterinnen. Mir ist dabei bewusst, dass auch eine gute Regulation nicht alle Probleme lösen wird, aber bis wir eine perfekte Welt haben, ist dies die weniger schlechte Lösung.
    Ein Verbot kann aus meiner Sicht ausschließlich religiös Begründet werden gegen die Grundsätze der Leihmutterschaft und gegen Glauben lässt sich nicht diskutieren.

    Liebe Grüße

    • Liebe Katrin,
      ein Verbot erwähne ich nicht, weil ich – ebenso wie du – nicht an die Änderung von Gegebenheiten durch Verbote glaube. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, was Menschen aber nicht davon abhält, im Ausland eine Leihmutter zu finden. Ich glaube, dass wir hier – ebenso wie bei anderen Themen (du reißt ja einige an) – eine globale Regulierung benötigen. Was eine Herausforderung ist: Wer soll die Durchführung dieser Regulierung anstoßen – die UN vielleiht? Oder die NATO?
      Viele Grüße!
      Barbara

  2. Ja, das Thema der Leihmutterschaft ist wichtig in unsere Zeit. Viel Aufmerksamkeit wurde man Indien gewidmet. Aber warum? Dort ist eine Leihmutterschaft für ausländische Paare verboten. Vor kurzem sah ich ein Buch über Leihmutterschaft in der Ukraine bei Amazon https://www.amazon.de/dp/3877071473/ref=cm_cr_dp_d_vote_lft?ie=UTF8&voteInstanceId=RXOTRSS5E82CE&voteValue=1&csrfT=gpulqqhaqhZRiL5H%2FOuLA7MQT4fLG4Njmaopjg0AAAABAAAAAFvLcUhyYXcAAAAA%2B4kUEk%2F7iMGR3xPcX6iU#RXOTRSS5E82CE&claim_type=EmailAddress&new_account=1& . Sehr oft werden die Leihmütter und die unfruchtbare Paare kritisiert. Ich stimme zu, dass viele Frauen keine Leihmütter geworden wären, wenn es nicht Armut, Elend und andere genannte Ursachen gäbe. Leider ist die Welt so konstituiert, dass es unmöglich ist, allen zu helfen und die Armut überall zu beseitigen, alle Menschen gleich zu machen…eine so genannte Utopie zu schaffen, wo alle glücklich sein werden. Wenn es möglich wäre, würde es die Wirklichkeit werden. Und darum ist jede Frau, die die Entscheidung trifft, eine Leihmutter zu werden, dafür selbst verantwortlich und kennt über mögliche Komplikationen. Ja, es ist sehr traurig, dass sie keine andere Lösung ihrer Probleme finden. Vieleicht sollte das Geld das Leben machen…Wahrscheinlich gäbe es keine andere Meinung über Leihmutterschaft, wenn die Verwandten oder Freundinnen der kinderlosen Paaren zu Leihmüttern werden. Allerdings wird nicht jede Frau dem zustimmen. Darum kritisiere ich nicht die Leihmütter, die den Wunscheltern und sich selbst helfen.

  3. Bitte liest mein soeben auf Deutsch erschienenes Buch Mietmutterschaft. Eine Menschenrechtsverletzung (erschienen bei Marta Verlag in Hamburg). Ich verurteile alle Formen der Mietmutterschaft wo auch immer auf der Welt weil sie Frauen ausbeuten und auch das entstehende Kind als handelbare Ware betrachten. Ich bin Mitglied von Stop Surrogacy Now und weiteren globalen Organisationen.
    Es ist gut, dass die Diskussion anfaengt in deutsprachigen Laendern bevor die Lobby der IVF Kliniken und der schwulen Maenner Erfolg damit haben, die Gesetze zu veraendern!!
    Dr Renate Klein (aus Australien)

  4. Hallo zusammen!

    Danke für die Folge und die intersektionale Beleuchtung des Themas!

    Ich habe eine Frage, bzw. einen Kommentar zur Verwendung des Wortes „Bauch“ im Titel und Rest der Episode: Ich finde, dass mit „Bauch“ die weibliche Anatomie unpräzise und irgendwo auch falsch beschrieben wird; ein Umstand, der uns an vielen anderen Stellen stört (Thema Vulva vs Vagina etc.).

    Mir ist die historische Bedeutung des „Bauchs“ im Kontext des Spruchs „Mein Bauch gehört mir“ natürlich bewusst, aber zumindest sprachlich sind wir doch eigentlich weiter, oder?

    Ich glaube ihr hattet das Thema auch schon im Podcast, Unterleib ist auch nicht das schönste Wort, aber wenigstens anatomisch treffender.

    • @ Kudusch
      Der Titel dieser Sendung referiert natürlich auf den – unpräzisen aber griffigen Slogan “Mein Bauch gehört mir”. Dieser Slogan taucht in der Sendung auf – über die weibliche Anatomie sagt das aber nichts aus, sondern es geht eben um diese Referenz. Dass der Ort, an dem eine Schwangerschaft stattfindet, präzise gesagt, die Gebärmutter ist, würde daraus “Meine Gebärmutter gehört mir” bzw. “Wenn eine Frau ihre Gebärmutter vermietet” machen. Korrekt aber ohne Referenz. “Unterleib” ist m.E. genauso unpräzise wie “Bauch” – und referiert auf nichts. Falsch ist der “Bauch” übrigens nicht, da er den Körperbereich zwischen Zwerchfell und Becken meint.
      Viele liebe Grüße!
      Barbara

      • Danke für die Antwort! Bauch und Unterleib tun sich wirklich nichts, da hast du natürlich Recht.

        Ich glaube, ich fänd’s trotzdem schön, wenn wir „Meine Gebärmutter gehört mir“ sagen würden. Die Schwangerschaft findet ja nicht *irgendwo* zwischen Zwerchfell und Becken statt, sondern eben in der Gebärmutter.

        Ich will mich aber auch überhaupt nicht beschweren; mir ging’s nur um eure Einschätzung in dieser Frage und die habt ihr geliefert! Danke noch mal 🙂

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