Lila103 Über die Macht der Geschichten bei #metoo und in Irland

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Kritiker_innen der #metoo-Debatte bemängeln, dass ein Hashtag doch nichts ändern würde. Stimmt das? Zusammen mit Aoibhinn Ní Shúilleabháin betrachten wir die Abstimmung über das Recht auf Abtreibung in Irland und wie die Macht der Geschichten dort wirkte!

Zu Beginn dieser Sendung greifen wir noch einmal die Diskussion zwischen Svenja Flaßpöhler und Margarete Stokowski auf – auch ihr habt uns viele Kommentare dazu geschrieben. Wie kam die Debatte bei euch an und was haben wir durch sie gelernt? Kann ein “Hashtag-Feminismus” die Welt verändern? Oder belässt die Frauen in der Opferrolle? Welche Rolle spielt die Macht der Geschichten bei #metoo? Was hat sie bewirkt? Wo ist Machtmissbrauch möglich?
Was Svenja Flaßpöhler vielleicht unterschätzt, ist wie wirkmächtig das Erzählen von Geschichten sein kann – deswegen haben wir einen Blick nach Irland geworfen. Dort hat die Bevölkerung in einer Volksabstimmung am 25. Mai entschieden, dass auch irische Frauen ein Recht auf Abtreibung haben sollen. Die Kampagne der Kirche und der konservativen Kräfte dagegen war hart und mächtig – doch noch mächtiger waren die persönlichen Geschichten der Frauen, die unter der bisherigen Gesetzgebung zu leiden hatten. Aoibhinn Ní Shúilleabháin erzählt uns, wie es war, an der “Yes”-Kampagne beteiligt zu sein und als “Mörderin” beschimpft zu werden und wie dennoch die Iren, die bis heute zu über 70 Prozent katholisch sind, sich entschieden haben, das Abtreibungsverbot aus ihrer Verfassung zu streichen. Entscheidend – sagt Aoibhinn – waren die Geschichten.

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12 Kommentare

  1. Hallo ihr liebes Lila-Podcast Team,

    vielen Dank für euern tollen Podcast diesmal mit ganz ganz vielen Anregungen und Tipps was man in den Sommerferien alles anschauen/hören/lesen kann!

    Vor allem hat mich aber natürlich gefreut, dass ihr ab September wöchentlich “on Air” sein wollt!

    Einen schönen Sommer und viele liebe Grüße schickt euch
    der Marek

  2. Ihr Lieben vom lila Podcast!
    Ja, ich unterrichte Politik- und Ethik und mache immer mit der 11. Klasse Themen aus dem Gebiet des Feminismus oder der krit. Männerforschung.
    So habe ich im letzten Halbjahr mit 18 Schülern und zwei Schülerinnen einen Kurs zu Geschlechtsbildern gemacht. Dabei haben wir auch die Geschichte des Feminismus oder schlaglichtartig kompliziertere Ideen wie die von Butler oder Penny aufgegriffen. Natürlich haben wir über Metoo oder Abtreibung gesprochen.
    Gerade, weil der Wahlpflichtkurs einen Jungs-Überhang hatte, war es spannend. Wir konnten so z. B. auch Männerbilder aus der Rapmusik aufgreifen.
    Generell mache ich als Geschichtslehrer auch Frauengeschichte, zB Olympe de Gouge oder weniger bekannte Figuren aus dem Mittelalter. Geschichte an Personen exemplarisch zu lernen und sich so vielleicht besser zu merken ist mein Ansatz.
    Danke für Euren Podcast!
    Marcus

    • Lieber Marcus,

      danke dass du aus deinem Unterricht erzählst. Das ist toll, dass du von dir aus Frauengeschichte mit einbringst und Geschlechterthemen aufgreifst! Ist das etwas, das im Kollegium auch besprochen wird – lassen sich anderen Lehrerinnen und Lehrer davon inspirieren?

      Liebe Grüße! Susanne

  3. Wie immer eine tolle Folge.
    Ich danke euch, dass ihr die Debatte von Svenja und Margarete nochmal aufgegriffen und ein bisschen eingeordnet habt.
    Feministische Arbeit und Aufklärung mit Schülerinnen und Schülern wäre etwas ganz wunderbares. Ich erinnere mich mit Grauen an meine Biostunden zurück… und wie viele falsche Informationen wir über Sex und (grade den weiblichen) Körper bekommen haben. Mein Abschluss war 2006, ist also noch nicht so lange her und ich glaube, da hat sich auch bis heute nicht so viel getan. Man stand im Endeffekt ziemlich alleine mit allem da und einen gesellschaftlichen und kulturellen Ansatz gab es schon gar nicht, Homosexualität oder andere Geschlechter wurden nie erwähnt.
    Vielleicht wäre das Thema Aufklärung an Schulen ja auch mal was für eine ganze Lila-Folge.

  4. Hallo!

    Weil ich da gerade ziemlich spruchfähig bin:

    Ich mache Genderstudies grundsätzlich einmal im Sozialkundeunterricht. Das ist direkt vom Lehrplan der FOS/BOS gedeckt.

    Dazu biete ich dieses Schuljahr im Rahmen unseres Seminarfachs für die 13. Klasse ein Seminar zu Geschlecht und Diskriminierung an. Letztes Jahr hatte ich schon Arbeiten zu Feminismus und BDSM, und Diskriminierung durch Sprache.

    Für Susanne spezifisch: die staatliche FOS in München bietet in großem Rahmen eine didaktisch und inhaltlich hervorragende Methode für Geschlechterreflexion an und führt die auch immer durch. Ich war ziemlich begeistert von der Fortbildung und ich bin nicht einfach zu begeistern.

    Bei konkreten Fragen: gerne auch per Mail, oder twitter. 😉

    • Lieber Thomas,

      das ist toll zu hören, dass es an den Fachoberschulen in München so direkt auch vorgesehen ist. Ich frage mal hier, weil die Antwort bestimmt viele interessiert: Ist das eine FOS-Besonderheit oder findet das an allen Münchner Schulen statt, weißt du das? Barbara und ich arbeiten mit unserem Verein Frauenstudien München viel mit der Gleichstellungsstelle und dem Kulturreferat zusammen und da sehe ich schon, dass die sehr aktiv sind. Aber es würde mich interessieren, inwiefern das Thema Geschlechtergerechtigkeit überall stattfindet. Almut kommentiert ja weiter unten, dass es theoretisch in allen Plänen und Vorgaben auftaucht, aber in der Praxis…

      Liebe Grüße! Susanne

      • Nein, das ist eine spezifische FOS bei der unter den LehrerInnen schon vor längerer Zeit der Wunsch entstanden ist, etwas zu diesem Thema zu machen. Die haben das dann an andere Schulen weitergegeben und so sind auch Berufsfachschulen dabei und so. Die Schule selbst hat eine eigene Gay/Straight Alliance Gruppe und wird laut Aussagen der KollegInnen mittlerweile von queeren Menschen bevorzugt.

        In der Praxis hängt es von der Lehrkraft ab. So konzertierte Sachen wie da oben beschrieben gibt es eher seltener. Ich habe auch wenig Fortbildungen gesehen, suche da aber auch nicht aktiv nach. Die Schulberatung in Bayern ist natürlich sensibilisiert und berät dann (hoffentlich) SchülerInnen und Lehrkräfte.

  5. Hallo Lila-Podcast-Team,
    vielen Dank für die Erwähnung der Rosa-Hellblau-Falle und unserer Arbeit. <3

    Ich möchte loswerden, dass ein Teil von dem, was Ihr Euch als Thema im Schulunterricht wünscht, tatsächlich in den Bildungsplänen aller Länder drinsteht! Es IST bereits Gesetz, dass Lehrkräfte, Pädagog*innen, Fachkräfte in Kitas a) über eigene Geschlechterrollenbilder reflektieren und b) mit Kindern und SuS darüber diskutieren! Es steht drin, es wird aber nicht gelehrt in der Ausbildung, in vielen Fällen kommt es vor, aber eben nicht überall. Eins kann durchaus (Grundschul-)Lehrer*in werden, ohne je über den eigenen #Unconscious Gender Bias nachgedacht zu haben!

    Wenn wir für Fortbildungen an Schulen oder in Kitas gehen, dann um genau das mit den Teams in Übungen und durch Hintergrundinfo in Teilen nachzuholen.
    Und Ihr habt natürlich recht, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein: wenn wir ein, zwei Tage da sind, bringt das zwar viel und stößt viel an, ist aber ja nur ein Anfang. Es müsste viel weiter reichen und es müsste viel früher ansetzen, damit Fachkräfte in Kitas gar nicht mehr auf die Idee kommen, Kinder in Rosafarbene und Blaue zu trennen, und brav und wild, süß und cool, Feen und Ritter etc. nach Geschlecht zu sortieren. Sehr viele tun das aber täglich – sogar sehr bewusst, denn sie haben nie über die Zusammenhänge erfahren, nämlich welche Folgen das für das soziale Miteinander und die Entwicklung individueller Interessen hat.

    Oha, lang geworden und in Rage getippt. Aber Ihr habt den wunden Punkt angesprochen. Es IST Gesetz, die #RosaHellblauFalle zu kennen und zu reflektieren, aber im Schulalltag kommt es nicht an.

    • Liebe Almut,

      danke für deinen Kommentar und auch noch mal die genauen Infos. Und vorneweg: Es ist wirklich großartig, dass ihr an die Schulen geht, vor allem, dass ihr an die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren rangeht, also die Lehrkräfte. Weil es ja weniger bringt, einmal eine Klasse vor den Kindern zu halten (so dachte ich bisher, dass das funktioniert) und danach geht vielleicht alles so weiter wie vorher.
      Wie ist das eigentlich: Werdet ihr dann gebucht von den Schulen, die sich um die entsprechende Fortbildung kümmern müssen oder seid ihr diejenigen, die den Schulen das Thema antragen?

      Liebe Grüße, Susanne

      • Liebe Susanne,

        ja, genau, mit Kindern einen extra Workshop zu dem Thema zu machen, geht natürlich auch, aber es ist so viel mehr gewonnen, wenn jene, die die Kinder kennen und täglich mit ihnen arbeiten, das ganz selbstverständlich in ihr Tun, ihr Sprechen, ihre Beispiele mit einbauen. Geschlechtersensible Pädagogik ist eben kein Projekt für einen begrenzten Zeitraum, sondern eine Haltung, Hintergrundwissen, das Lehrkräfte immer dabei haben, das sie bei ihrer Arbeit begleitet.

        Wir kommen bundesweit überall hin, wo sich eine Gruppe zusammenfindet, uns anfragt, und uns für einen Vortrag mit Diskussion (oder eine Fortbildung) rund um das Thema bucht, z.B. “Der PayGap beginnt im Kinderzimmer – Wege aus der Rosa-Hellblau-Falle” oder so:
        https://rosa-hellblau-falle.de/fortbildungen-infoabend/#kita

        Danke Dir fürs Nachfragen und alles Gute!
        lg, almut

  6. Hallo liebes Lila Podcast Team,

    Ich bin erst vor ein paar Tagen auf euren Podcast gestoßen und hab jetzt schon mehrere Folgen gehört. Ich habe schon länger nach einem Medium gesucht dass meinen feministischen Horizont erweitert und mir neue Denkanstöße gibt. Genau das habe ich mit euch gefunden, vielen Dank dafür.

    Den Film “I am not an easy man” fand ich auch super und wollte euch nur kurz drauf hinweisen dass er auf einem Kurzfilm der gleichen Regisseurin basiert, der sehr viel ernster ist und mir auch ziemlich nah gegangen ist. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust da kurz rein zu schauen, hier mit englischen Untertiteln. (https://www.youtube.com/watch?v=V4UWxlVvT1A)

    Liebe Grüße

  7. Moin, ich bin über Umwege auf Ihren Podcast gestoßen. Ich bin selten, vielleicht auch nie auf ein so divers undiverses Thema wie das Streitgespräch aus Episode 101 gestoßen. Ich bitte meine Wortwahl nicht als abwertend zu klassifizieren. Ich habe selbst eine Kindheit erlebt, die ich als traumatisierend fühle, welche für viele andere Menschen möglicherweise der sprichwörtliche Schnupfen gewesen wäre.
    Ich bin durch Ihren Audiobeitrag absolut fasziniert von einem Thema, das ich, so muss ich zu meiner Schande gestehen, bisher eher belächelt habe, dem Feminismus. Eine Emanzipation, von der ich fälschlicherweise angenommen hatte, dass sie bereits abgeschlossen sei. Ich hoffe, meine Ignoranz wird mir verziehen, im Zweifelsfall wäre ich nicht nachtragend.
    Ich möchte mich auf diesem Wege ausdrücklich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie meinen Horizont um den eines Planeten erweitert haben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jakob

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