Lila164 Prostitution oder Sexarbeit

Lila164 Prostitution oder Sexarbeit

Prostitution – oder Sexarbeit? Selbstbestimmung oder Ausbeutung? Ein Job wie jeder oder kein anderer? Kaum ein Thema spaltet die (feministische) Debatte so wie dieses. Katrin Rönicke und Barbara Streidl diskutieren in dieser Folge über die Definition, den Kapitalismus, das nordische Modell und die Verknüpfung von Sex als Ware mit der Care-Arbeit.

„Prostitution bedeutet, dass erwachsene Menschen anderen erwachsenen Menschen sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt anbieten. Prostitution ist für diejenigen Menschen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, eine Arbeit bzw. Sexarbeit.“ (Sonja Dolinsek)

In das Gespräch fließen Statements von Antje Langethal, Sprecherin der Arbeitsgruppe Frauenhandel und Prostitution bei Terre des femmes, der Sexarbeiterin Mademoiselle Ruby und Sonja Dolinsek ein, die über „Frauenhandel, Sklaverei, Sexarbeit: Transnationale Politiken über „sexuelle Arbeit” in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ promoviert, sie ist auch Gründerin des Blogs „menschenhandel heute“.

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Links und Hintergründe:


6 Gedanken zu „Lila164 Prostitution oder Sexarbeit

  1. Sehr interessanter Podcast, der meine Meinung änderte.

    Bisher war ich der Anerkennung der Prostitution als Arbeit abgeneigt, denn ich empfand die Einschränkung der freien Berufswahl für die wenigen Personen, die diesen Beruf frei wählten, angesichts der grossen Anzahl sich unfreiwillig Prostituierender gerechtfertigt.

    Ein Verbot der Prostitution oder diese Dienstleistung zu kaufen würde die Gründe, weshalb sich viele Menschen unfreiwillig oder unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen prostituieren, nicht bekämpfen. Wie im Podcast gesagt: Wir müssen die Unterdrückungsmechanismen bekämpfen/verbieten, nicht die Prostitution.

  2. Zwei Punkte, die im Podcast leider nicht behandelt wurde:

    (1)
    Wie kann ein(e) Freier(in) erkennen, ob ein(e) Prostituierte(r) ausgebeutet wird oder gegen ihren/seinen Willen anschafft?

    (2)
    Ich habe den subjektiven Eindruck, dass es unter den Prostituierten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung recht viele transsexuelle Menschen gibt. Nun bezweifele ich, dass Transsexuelle sich besonders gerne prostituieren. Könnte es vielleicht daran liegen, dass es Transsexuelle auf dem Arbeitsmarkt schwieriger haben?
    Vermutlich müsste man zu diesem Thema eine eigene Sendung machen.

  3. liebe barbara, liebe katrin,
    so froh ich bin, dass ihr das thema so differenziert aufgreift, um so verwunderter bin ich, wie einfach ihr die zahlen von terre de femmes (mehr als 80% der prostituierten haben angst, viele leiden an einem drogenproblem) vom tisch gewischt habt mit dem hinweis auf daten des bka und das allgemeine drogenproblem in der gesellschaft – so mein eindruck. im zusammenhang mit den großen “bordellen” war ich auch überrascht angesichts der hohen zimmerpreise etc. einen vergleich mit den löhnen von paketboten oder anderen ähnlich niedrig bezahlten berufen zu hören. nicht, dass ihr mich missversteht: ich finde es wichtig, dass sexarbeiterinnen, die sich den job aus freien stücken ausgesucht haben, sich gegen diskriminierung und die überwindung uralter vorurteile einsetzen. allerdings nehme ich auch die zahlen von terre de femmes und die erfahrungen der von euch zitierten streetworkerin ernst, die sagt, dass sie in der regel migrantinnen in diesem job antrifft, die sich diese schwierigen arbeitsbedingungen wohl eher nicht ausgesucht haben. und ihnen gilt es zu helfen, da rauszukommen – und diejenigen, die an ihnen verdienen zur verantwortung zu ziehen.
    soweit mein senf 🙂
    liebe grüße
    bianca

    1. Liebe Bianca,
      definitiv wollen wir diese Zahlen von Terre des femmes nicht vom Tisch wischen: Die Crux ist ja, dass es schwer ist, die Zahlen zu belegen durch andere Statistiken wie etwa die des BKA, weil in vielen Zahlen unterschiedliche Herangehensweisen vermischt werden. Dennoch gibt es Menschen, die unter ihrer Sexarbeit / Prostitution leiden – das sollte allen klar sein!

  4. Hi,
    mir geht es ähnlich wie Bianca: mir fehlt eine tiefere quantitative Analyse, und dass man sich immer wieder vor Augen führt, dass es in Deutschland mit Sicherheit Tausende Frauen sind, die in der Sexindustrie versklavt werden.

    Weil ihr explizit Stuttgart angesprochen hattet: hier (bzw in Leinfelden-Echterdingen) gibt es immer noch das Paradise https://de.wikipedia.org/wiki/Paradise_(Bordell), der Betreiber ist mittlerweile wegen Menschenhandels verurteilt. Es gibt aber auch viele andere Großraumbordelle.

    Und dann noch ein Aspekt, der mir viel zu wenig dran kam: die Nachfrage nach gekauftem Sex ist hochgradig kulturell geprägt. Schätzungsweise 39% der spanischen und 75% der thailändischen, aber nur 9% der englischen Männer sind zu Prostituierten gegangen (Zahlen gesammelt von Terre des Femmes).

    Ich glaube, dass ein liberaler Umgang mit Prostitution und Sexarbeit dazu beiträgt, dass die Kultur in Deutschland hochgradig sexistisch bleibt: Zugang zum Frauenkörper kann man sich kaufen.

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