Lila111 Woche der Debatten: Sophie Power, Brett Kavanaugh und Christine Blasey Ford

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In dieser Folge des Lila Podcasts sprechen Barbara Streidl und Susanne Klingner über zwei wichtige Debatten, in denen es äußerlich um Sport und Politik gibt. Innerlich geht es um den Platz von Frauen in unserer Kultur: Darf eine Sportlerin auch Mutter sein in der Öffentlichkeit? Darf sie ihr Baby „während der Arbeit“, also in den Pausen eines Marathonlaufs, stillen? Und muss eine Frau ertragen, dass derjenige, der zu einem der höchsten Richter der Vereinigten Staaten ernannt wird, ihr Beinahe-Vergewaltiger ist?
Daneben gibt es Hinweise auf zwei neue Online-Archive, das „Digitale Deutsche Frauenarchiv“ und die neue Sammlung an Nachrufen über Frauen der New York Times.

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Links und Hintergründe:

  • Der erwähnte Text bei piqd von Nils Pickert über das Interview von Hannes Vollmuth mit Sophie Power in der SZ:
  • Nils Pickert hatten wir auch mal beim Lila Podcast
  • „Sophie Power hat das Maß verloren“ schreibt im Tagesspiegel Mike Kleiss
  • Sophie Power sagt selbst: „I really wanted to get the message out, most other international races have changed their policy to be fair to women.”
  • Neuseeländische Premierministerin Jacinta Ardern wird Mutter und bleibt im Amt
  • Das Digitale Deutsche Frauenarchiv im Netz
  • Der Frauenmediaturm im Netz
  • Über Edit-athons auf Wikipedia
  • Mehr Frauen als Männer kandidieren momentan in den USA bei den Midterms für einen Sitz der Demokraten im Repräsentantenhaus
  • Alexandria Ocasio-Cortez hat nicht in Brooklyn die Vorwahl gewonnen, sondern in der Bronx. Hier ein Portrait in der NYTimes
  • Gerangel um Richterernennung im Supreme Court (Stand: Montag, 1.10.2018): Bleibt der Supreme Court unparteiisch?
  • Bei Twitter: #whyIdidntreport
  • Regelung des Schwangerschaftsabbruches unter dem Stichwort Roe vs. Wade
  • Justizausschuss wollte schnelles Ergebnis
  • Anhörung von Christine Blasey Ford, 51 Jahre alt, vor dem Senat:

  • Eine zweite Frau hat auch Übergriffe von Brett Kavanaugh öffentlich gemacht
  • Anhörung von Brett Kavanaugh im Senat:

  • Zur scheinbaren Wiederholung des Falles Anita Hall vs. Clarence Thomas
  • Und noch etwas über die US-weiten Reaktionen auf Christine Blasey Ford
  • Sehr guter Kommentar im New Yorker zum Schauspiel von letztem Freitag
  • Noch ein sehr guter Kommentare (satirisch) in der Washington Post, der White Male Privilege und Entitlement auf den Punkt bringt:
  • Die Gegenüberstellung, wie gut die beiden die Fragen beantwortet haben, war auch bei Vox.com
  • Der Hinweis zum Film „Sixteen Candles“ über die „Rape Culture“
  • Es wird jetzt tatsächlich eine FBI-Untersuchung geben, war eigentlich unwahrscheinlich, möglicherweise haben diese Frauen einen großen Teil beigetragen, weil Senator Jeff Flake nicht einfach mit Ja gestimmt hat, sondern für eine Untersuchung war
  • Dieser Text beschreibt noch mal sehr schön, wie sehr sich manche davon überfordert fühlen, dass Frauen, Farbige, Homosexuelle tatsächlich gleiche Rechte wollen – wie jung das alles noch ist
  • Overlooked” von der New York Times: Nachrufe über Frauen

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12 Kommentare

  1. Zum Thema Sophie Power: Ich unterstütze das Zeichen, das sie mit ihrer Aktion setzen wollte, aber ich bezweifele, dass die Aktion sinnvoll für die eigene Gesundheit war: http://blog.runningcoach.me/blog/2016/10/04/lauftraining-wiedereinstieg-nach-der-geburt/
    Davon abgesehen ist das Laufen von Marathonwettkämpfen grundsätzlich eher ungesund: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/marathon-ist-oktoberfest-kritik-am-extremsport-a-1054820.html
    Viele Grüße
    ein Marathonläufer

  2. @Michael: Komisch, dass soviel Marathonläufer_innen das überleben 🙂 Die Studien, die dazu geführt werden, sind, soweit ich weiß, alle mit eigentlich zu wenig Probanden. Aber das müsste ich nachlesen. Der Athlet Heart Blog beschäftigt sich eher mit noch längeren Distanzen – Ultra und so… Ein Bekannter von mir meinte, als ich ihn auf Herzprobleme durchs Laufen ansprach, dass Marathonlaufen ungesund ist, aber wir Läufer dafür fit ins Grab fallen.
    Ich habe die Folge noch nicht angehört: Welche Pausen beim Marathonlauf? Ich denke nicht, dass professionelle Läuferinnen eine Pause machen. Ansonsten sind Zeiten wie 2h18 nicht drin. Und das Hobbyläuferinnen nicht stillen dürfen an der Strecke, fände ich albern.

  3. Ok. Ihr habt Marathon gesagt. Deswegen. Hatte dann an einen Trailmarathon gedacht, da verhalten sich die Leute eh anders. Marathon ist halt eine definierte Strecke.

  4. Eine ganze tolle Folge mit Themen, über die ich mir auch grade so meine Gedanken mache.
    Vor allem bei dem kleinen Satz von Susanne zum Thema Nerdkram und der (teilweise richtig heftigen und bösartigen) Ablehnung von Frauen, die sich in der Szene irgendwie äußern oder einfach mitmachen wollen, musste ich sehr nicken.
    Als Gamerin kenne ich ja da echte Abgründe.
    Das ebenfalls von Susanne angesprochene Thema Rape-Culture bzw. Date-Rape in älteren Comedy (und teilweise Romance?) Filmen finde ich auch ziemlich spannend.
    Ich weiß nicht, ob euch der Youtube-Kanal Pop Culture Detective was sagt, aber ich lasse mal zwei Links zu Videos da, die ich ziemlich gelungen finde, grade weil auch teilweise ein Bogen zur Nerdkultur geschlagen wird:

    https://www.youtube.com/watch?v=X3-hOigoxHs
    https://www.youtube.com/watch?v=0thpEyEwi80&t=1s

    Die Kommentare sind auch sehr empfehlenswert (vor allem weil super moderiert – das ist immerhin noch Youtube ;)). Viele Menschen, die sich sehr interessante Gedanken machen.

  5. Auf der Sportlerplattform ist ein aus meiner Sicht lesenswerter Beitrag mit einem Interview von Sophie Power veröffentlich worden:
    https://blog.strava.com/the-right-photo-for-a-wrong-time-17266/

  6. Hallo, dies ist sicherlich nicht der optimale Ort für meine Frage, aber mir ist auch kein besserer eingefallen, daher schonmal sorry, wenn es nicht passt.

    Ich lese gerade Katrins Buch ‘Emanzipation. 100 Seiten’ und es irritiert mich etwas, dass ausgerechnet in einem Buch über Emanzipation konsequent (zumindest bisher, bin ja noch nicht am Ende) das generische Maskulinum verwendet wird. Das fühlt sich beim Lesen für mich sehr seltsam an und ich frage mich, ob das eine Entscheidung der Autorin, oder vielleicht eher eine Vorgabe des Verlags war. Dann würde ich es als Kompromiss im Sinne von ‘lieber so, als das Buch gar nicht zu schreiben’ nachvollziehen können.

    Liebe Grüße 🙂

    • Hallo,
      man erreicht mich ganz per Mail über meine torial-Seite 😉
      Das generische Maskulinum ist Vorgabe bei reclam.

      Beste Grüße

  7. Also beim Fußball gibt es das definitiv nicht, dass die Männer auf dem Platz urinieren.
    Eine Halbzeit dauert aber auch nur 45 Minuten – da geht man eben vorher, in der Pause oder hinterher.

    Wie gesund ein Marathon ist gehört aber nicht hier her. Fast aller Leistungssport ist ungesund, weil die Belastung einseitig ist und die Sportler an ihre Schmerzgrenze gehen. Das betrifft Männer, die ja tendenziell mehr Sport treiben, v.a. im Leistungsbereich, im Schnitt ja auch viel mehr.

    Das einzige Problem, dass für den Sportzuschauer relevant ist, ist, wieviel Zeit die Sportlerin beim Stillen und Abpumpen verloren hat. Wenn sie das aber in Kauf nimmt ist das auch ihre Sache.

    Wäre es ein einfacher Marathon – da gibt es ja viele im Jahr und die Spitzenläufer picken sich nur wenige raus, weil man nicht bei jedem großen Marathon mitlaufen kann. Ich glaube 2 pro Jahr sind normal. Solche Extremläufe sind sicher wesentlich seltener als ordinäre Marathons.

    Dem Strava-Artikel nach war es schwer für dieses Rennen einen Startplatz zu ergattern und ein Problem ist, dass man diesen bei Krankheit wohl auf’s nächste Jahr verschieben kann, bei Schwangerschaft aber nicht. Abgesehen von dem Nachteil des Zeitverlustes sehe ich aber keinen Grund, wieso sie nicht ihr Kind stillen sollte. Die Frage ist vielleicht, ob man da ein Foto schießt und es veröffentlicht. Da das so ungewöhnlich ist: Ja. Da es eine politische Debatte lostritt, die geführt werden sollte: Ja. Wenn die Sportlerin das nicht wünscht: Vielleicht nein.

    Unsere angeblich so tabulose Gesellschaft sollte das ganze mal relaxter sehen und ich bin ganz auf Eurer Seite, wenn Ihr sagt: Das Kind hat Hunger, also wird es gestillt.

  8. Im Fall Kavanaugh arbeitet Ihr, meine ich, mit doppelten Standards.

    Einerseits empört Ihr Euch, dass die Republikaner nur aus politischen Erwägungen an ihm festhalten, andererseits habt Ihr zu Frau Ford festgestellt, dass sie ihn nur deswegen, weil er jetzt ein hohes, politisches Amt anstrebt, überhaupt öffentlich beschuldigt hat.

    Ich bin ja in einem ähnlichen Alter und ich muss sagen, ich fände es absolut lachhaft heute für Dinge beschuldigt zu werden, die ich mit 17 angeblich getan habe.

    Unseriös finde ich es, den Fall auch damit zu eröffnen, wie sich die Rechtsprechung des Supreme Courts durch diesen Richter womöglich verschieben wird. Sollen wir ihn, weil wir ihm keinen politischen Erfolg wünschen, für schuldig halten? Wären ähnliche Anschuldigungen gegen Clinton weniger ernst zu nehmen, weil der politisch auf der richtigen Seite steht?

    Ich schließe mich vorsichtig, wegen oberflächlicher Informiertheit, da lieber Gad Saad an.

  9. Hi user unknown (wir freuen uns übrigens immer, wenn ihr in der Diskussion wenigstens euren Vornamen benutzt, dann wissen wir, dass ihr an einem echten Gespräch interessiert seid),

    Das mit den doppelten Standards sehe ich natürlich anders, aber wahrscheinlich deswegen weil ich weiß, was ich gemeint habe, aber es vielleicht nicht so rüberbringen konnte. Deswegen führe ich es hier gerne noch mal kurz aus: Christine Blasey-Ford ist deswegen zu diesem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie eben wusste, dass nun von diesem Menschen viele Entscheidungen und auch Schicksale abhängen. Sie hat selbst gesagt, sie wollte, dass die Menschen, die über seine Ernennung als höchster Richter das “Gesamtbild” bekommen. Es ging also nicht darum, jemandem, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist, ans Bein zu pinkeln, sondern mögliche Konsequenzen für andere aufzuzeigen.

    In die gleiche Richtung ging auch meine Anmerkung, wie wichtig die Personalie Kavanaugh ist: Da wird ein Richter ernannt, der im Zweifelsfall das Zünglein an der Waage ist, das die Rechtssprechung in den USA zum Thema Abtreibung umkehren kann. Ich sehe das eigentlich weniger als politische Lager-Entscheidung als als moralisch-menschliche Frage: Da kommt jemand in ein Amt, obwohl er sich (mindestens zeitweilig) als zutiefst frauenfeindlich gezeigt hat, und darf in diesem Amt dann sehr sehr frauenfeindliche Entscheidungen treffen.

    Ich hoffe, ich konnte das etwas klarer machen.
    Viele Grüße! Susanne

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