Lila013 Weltreise – weil es einfach wurst ist, woher man kommt

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Da sind sie wieder! Nach kurzer Baupause setzen sich Katrin und Susanne in den Flieger und machen eine thematische Weltreise. Von der re:publica 2014 geht es zum Eurovision Song Contest in Kopenhagen, von dort weiter nach Frankreich, wo Homophobie im Aufwind ist und über Brüssel ab nach Virginia. Es gibt einige gute, aber auch viele schlechte Nachrichten – letztere vor allem aus Nigeria. Zum Schluss wird anlässlich des Launchs der Edition F über die Zukunft von Communities philosophiert.

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avatar Katrin Rönicke Thomann Wunschliste Icon Amazon Wunschliste Icon
Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

Links und Hintergründe

Begrüßung

Berlin: re:publica 2014

Kopenhagen: Eurovision Song Contest

Frankreich: Jungen im Rock

Deutschland: Homosexualität auf Krankenkassenkosten heilen

Europa: Feminismus im Parlament

Belgien: Gesetz gegen Street Harassment

Virginia, USA: Victim Blaming wegen gaffender Väter

Nigeria: Entführte Mädchen

Internet: Edition F geht an den Start

34 Kommentare

  1. Hier mal wieder eine Sammlung spontaner Gedanken während des Hörens 🙂
    Ein kleiner Hörtipp für diejenigen, die Making History von Stephen Fry nicht gelesen haben und vielleicht auch nicht so lese-affin sind: Im Spoiler Alert Podcast gibt es eine Folge zu dem Buch, in dem auch darüber philosophiert wird, was für weitere Aussagen hinter der Geschichte stehen: http://spoileralert.bildungsangst.de/episodes/spa012-hitler-time-travel-exemption-act/
    Zu den angeblichen Homo-Heilern: In Deutschland gibt es schon lange solche Organisationen, vor allen Dingen aus der evangelikalen Ecke kenne ich das. Hier gibt es Strukturen wie http://www.wuestenstrom.de/index.dhtml/455397633e1faf50882o/-/deDE/-/CS/-/, während meiner Studienzeit gab es dazu sogar eine – von heftigen Protesten begleitete – Veranstaltung angeblicher Homoheiler, ich meine an der Uni Marburg. Und ich muss sehr davor warnen, das auf die leichte Schulter zu nehmen: Ein Sozialarbeiter aus einem Schwul-Lesbischen Zentrum erzählte mir, dass er regelmäßig Leute in der Beratung hat, die von ihrer Familie zu solchen Veranstaltungen geschickt wurden und nach 10-15 Jahren schwerste Identitätskrisen bishin zu psychischen Störungen wie Depressionen und Schizophrenie entwickelt haben. Bei denen hat die Therapie allerdings durch massive Einschüchterung erstmal “funktioniert”.
    Neben Knochenmark dürfen schwule beispielsweise auch kein Blut spenden – wenn ich es richtig erinnere reicht es auch, als Mann generell ab und an Geschlechtsverkehr mit anderen Männern zu haben. Argumentiert wird mal wieder über die Zahlen von AIDS-Erkrankungen, die statistisch wohl bei schwulen Männern weiterhin signifikant höher sind. Zwar wird jede Probe auf AIDS untersucht, allerdings gibt es hier das Problem, dass sich der Virus erst nach 2-3 Monaten nachweise lässt. (Achtung, Zynismus:) Und da ja allgemein bekannt ist, dass jeder Schwule jedes Wochenende im Darkroom verbringt und dort ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, ist das Risiko da natürlich viel zu hoch. Kurz, hier wird unreflektiert alles in eine Schublade gepackt.

    • Ich finde es richtig, dass gewisse Risikogruppen von der Blut- und Knochenmarkspende ausgeschlossen sind. Dieser Massnahme ist keine Diskrimierung, sondern einfach Risikominimierung. Es geht hier schließlich um Leben und Tod.
      Durch den Ausschluss von rund 5% der Bevölkerung schließt man rund 66% der HIV-Infizierten aus.
      2012 befanden sich unter den 3400 HIV-Neuinfektionen 3000 Männer und davon infizierten sich 2500-2700 durch homosexuelle Kontakte.

      • Richtig finde ich das nicht.
        Immerhin hatte ich das auch für ein Vorurteil gehalten, bis ich deine Zahlen las.
        Woher stammen diese?

        Laut Wikipedia verbreitet sich das HI-Virus am besten über Analverkehr. Also erst wenn alle heterosexuellen Paare auf ungeschützten Arschfick kategorisch verzichten würden, wäre deine Aussage und diese Zahlen plausibel. (Was ja sein kann, nur hätte ich dafür gerne belege.)

        Natürlich geht es hier um Leben oder tot. Deshalb sollte man nicht aus falsch verstandenem Anstand zu wählerisch sein und diejenigen, denen geholfen werden kann, sterben lassen.

        Ich bin seit Jahren bei der DKMS als pot. Spender gemeldet. Und obwohl ich heterosexuell bin, scheine ich für niemanden der passende Spender zu sein. Wenn es stattdessen ein homosexueller Spender sein kann, verstehe ich die Denkweise nicht.

        Apropos sexuelle Präferenzen. Woher wissen denn die Organisationen, ob man Schwul ist oder nicht? Vielleicht habe ich es vergessen, aber meines Wissens musste ich weder bei der Blut-, noch bei der Plasma- oder Knochenmarkspende meine sexuelle Orientierung angeben. Dagegen würde ich auch vehement protestieren.

        http://de.wikipedia.org/wiki/HIV#Epidemiologie

        Gruß
        BrEin

        • Hallo BrEin,

          die von mir genannten Zahlen stammen vom RKI.

          http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/Ausgaben/47_12.pdf?__blob=publicationFile

          Zu den Risikogruppen gehören nicht nur männliche Homosexuelle, sondern auch heterosexuelle Menschen mit häufig wechselnden Partnerschaften. Es ist also keineswegs eine Diskriminierung speziell homosexueller Männer. Es geht einfach ums Risiko.
          Deshalb musst du auch nicht deine sexuelle Orientierung angeben, sondern nur versichern, dass du nicht zu einer der Risikogruppen gehörst, die im Aufnahmebogen angegeben sind.

          Natürlich könnte im Prinzip jeder Mensch zur Knochenmarkspende zugelassen werden, allerdings läuft so eine Spende über einen relativ langen Zeitraum ab. Wenn ein passender Spender gefunden wurde, muss sowohl der Spender als auch der Empfänger längere Zeit vorbereitet werden. Für diesen Zeitraum müsste gewährleistet sein, dass es nicht zu einer Neuinfektion kommt, denn ab einen gewissen Punkt muss die Spende erfolgen, sonst überlebt der Empfänger nicht.

          Es ist halt eine Abwägungssache, man würde durch die Zulassung von Risikogruppen die Grundgesamtheit und damit die Wahrscheinlichkeit einen geeigneten Spender zu finden nur rund 5% (von mir geschätzt) erweitern, mit der Folge, dass sich die Wahrscheinlichkeit einen potentiell HIV-infizierten Spender aufzunehmen fast verdreifacht. Kein guter Deal, oder?

          Ich habe damals, Ende der 90er, die Hysterie um HIV-verseuchte Blutprodukte ziemlich direkt mitbekommen und sowas will kein verantwortlicher Politiker oder hoher Beamter noch mal haben.

    • ich danke dir für deine Ergänzungen.

      wir haben ja nun die volle Debatte um die “Gefahr” von homosexuellem Blut. Im Grunde gibt es natürlich ein kleines Restresisiko, weil die Zeit existiert, in der die Ansteckung im Blut noch nicht nachweisbar ist. Aber das gibt es bei allen Geschlechtern und sexuellen Orientierungen. Die Frage ist doch, welche “Gefahr” größer wiegt: Dass Menschen durch die Ansteckung wegsterben, oder weil sich keine geeigneten Spender finden?

      Gerade bei der Knochenmarks-Spende sehe ich den Punkt nicht so ganz: Es wird eine Blutprobe genommen und der Prozess, bis wirklich das Knochenmark genommen wird, ist ein langwieriger. Es passt nur äußerst selten, im Gegensatz zur Blutspende wird man vielleicht nie dazu kommen, sein Knochenmark zu spenden. Wenn es dazu kommt, dann kann man beim ZKRD lesen:

      Sollten die HLA-Merkmale des Spenders mit einem Patienten übereinstimmen, informiert das ZKRD die entsprechende Datei, die wiederum den Spender kontaktiert und alle weiteren Schritte in die Wege leitet. In einem Gespräch wird dann der Spender über den genauen Ablauf der Spende informiert. Es folgt eine ausführliche ärztliche Untersuchung um sicherzustellen, dass der Spender auch wirklich gesund ist. Erst wenn der Spender seine Bereitschaft zur Spende noch einmal bestätigt hat und alle Ergebnisse zufriedenstellend sind, steht einer Spende nichts mehr im Wege.

      die Risiken sind dadurch imho wirklich marginal und ohne jetzt zynisch werden zu wollen: Heutzutage lässt es sich mit AIDS sicher besser leben, als an Krebs zu sterben.

      • Hallo Katrin,

        es geht doch nicht nur um “homosexuelles” Blut, sondern darum, dass man gewisse potentielle Spender ausschließt, weil das Risiko für Empfänger oder Spender nicht im Verhältnis zum Nutzen steht.
        Dabei gibt es viele Kriterien, die zum Ausschluss führen und zahlenmäßig weit über den MSM, also Männer, die Sex mit Männern haben, liegen. Genauso könnte man sich fragen, warum man nur Spender zwischen 18 und 55 zulässt, obwohl doch der individuelle Gesundheitszustand entscheidend sein sollte.
        Für jede Gruppe könnte man obige Diskussion führen.

        Ich kann eine spezielle Diskriminierung homosexueller Menschen nicht erkennen.
        Es gibt nach wie vor immer noch eine gewisse Restwahrscheinlichkeit durch einen HIV-Test durchzurutschen. So zu tun, als sei die hundertfach erhöhte HIV-Infektionswahrscheinlichkeit bei MSM eine Randerscheinung, die in diesem speziellen Fall keine Bedeutung hat, halte ich nicht für verantwortbar.
        Stattdessen würde ich homosexuellen Männern raten die Zugehörigkeit zu einer
        Risikogruppe zu verneinen, wenn diese aufgrund ihres Sexualverhalten eine Infektion ausschließen können.

        Allerdings sollte sich jeder im Klaren sein, der Prozess der Knochenmarkspende ist für Spender und Empfänger langwierig und kräftezehrend und geht teilweise über Jahre. Man müsste diesen Prozess also eigentlich regelmäßig mit HIV-Tests begleiten und läuft Gefahr jederzeit den Spendeprozess abbrechen zu müssen. Ab einem gewissen Punkt ist das für den Empfänger das Todesurteil.

        • Es lassen sich bestimmt viele statistisch begründete Argumente für diese Verfahrensweise finden. Die Frage ist doch aber vielmehr politisch, ob es in Ordnung ist, eine Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Sexualität in einen Generalverdacht zu stellen, sich beim Sex nachlässig zu verhalten (ungeschützter Verkehr) und danach auch noch Blut spenden zu gehen.
          Anders ausgedrückt: Warum steht im Ausschlusskriterium nicht “Hatten Sie ungeschützten Verkehr?” – egal welche sexuelle Präferenz???

          • Gut, dass wir darin übereinstimmen, dass es gut begründet sein kann, gewisse Gruppen von der Spende von vorne herein auszuschließen.

            Den von dir vorgebrachten Generalverdacht kann ich allerdings so nicht erkennen.

            Machen wir es mal konkret, dies ist der Text, wie er auf der DKMS-Seite zu finden ist:

            “Ich bin homosexuell, darf ich spenden?

            Laut den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) gemäß §§ 12 und 18 des Transfusionsgesetzes (TFG) in der Novelle von 2005, zweite Richtlinienanpassung 2010 dürfen leider keine Personen zur Spende zugelassen werden, die den so genannten Risikogruppen angehören. Dazu gehören: Heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z.B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern, Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM), sowie männliche und weibliche Prostituierte. Das bedeutet, dass Spender bei der Aufnahme zusichern müssen, keiner Gruppe im Sinne dieser Richtlinien anzugehören.

            Welche Änderungen wären deiner Meinung nach angebracht.

          • @flyingtoaster

            Das Streichen des MSM-Pasus.

            Denn der passt nicht in die Reihe.
            1. Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern sind wohl ein zu großes Problem.
            OK, das nehmen wir einfach so hin.*
            2. Bei Prostituierten steht genau dieser Sachverhalt in der Jobbeschreibung, also gleicher Sachverhalt.
            3. Wo aber steht geschrieben, dass Homosexuelle ständig ihre Partner wechseln? Und wenn es Homosexuelle mit häufigen Partnerwechsel gibt, sind sie doch unter 1. mit erfasst oder nicht?

            Gruß
            BrEin

          • @BrEin

            Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern sind auch ein Problem, aber die Gruppe der MSM sticht dabei heraus, denn in dieser Gruppe ist das HIV-Infektionsrisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung ca. 100 mal so hoch. D.h. ein Mann mit einem einzigen Sexualkontakt mit einem anderen Mann, hat ein ähnliches HIV-Infektionsrisiko, wie eine Person mit 100 heterosexuellen Sexualkontakten.
            Ich denke dieser Umstand rechtfertigt den Ausschluss der MSM.

            Im Übrigen geht es hier ja nicht explizit um Homosexuelle, denn auch heterosexuelle Männer können Sex mit Männern haben und weibliche Homosexuelle sind gar nicht betroffen.

            Wenn politische Korrektheit auf Kosten der Gesundheit der Allgemeinheit geht, ist die Grenze zur Verantwortungslosigkeit meiner Meinung nach überschritten.

          • Ah, wir sind bei der politischen Korrektheit angekommen.
            Ich würde erstmal einwerfen, dass man auch Ergebnisse statistischer Erhebungen kritisch betrachten muss. Ich würde hier beispielsweise die Vermutung abgeben, dass viele MSM Männer in den Erhebungen schlicht nicht die Wahrheit angeben, beispielsweise wenn sie sich nicht dem Standard-Klischee angehörig fühlen und sich mit dem Verhalten in der Szene nicht identifizieren können. Nach meiner Wahrnehmung aus der Innen-Perspektive ist das ein sehr großer Teil der homosexuellen Männer, was eine große Verzerrung der Daten nach sich ziehen würde.
            Gleichzeitig finde ich es schwierig, die Argumentation einer Diskriminierung über anscheinend klare und deutliche Fakten abzubügeln. Auch hier ist Diskriminierung nicht nur ein objektifizierbarer Prozess, sondern hat ebenso eine subjektiv wahrgenommene Komponente. ich fühle mich beispielsweise sehr wohl dadurch diskriminiert, dass mir permanenter ungeschützter Analverkehr unterstellt wird, nur weil ich dazu neige mich in Männer zu verlieben.
            Ich finde die Anregung, sich auf den Aspekt häufig wechselnder Geschlechtspartner zu fokussieren, sehr sinnig und weiterführend. Gleichzeitig möchte ich auch nochmal unterstreichen, dass es mittlerweile sehr große Fortschritte bei der Therapie und medikamentösen Behandlung HIV positiver Menschen gibt, die ihnen ein größtenteils normales Leben ermöglichen und eine Ansteckung anderer Menschen verhindern können. Auf der anderen Seite finde ich es immer wieder schwierig, wie die scheinbare Genauigkeit statistischer Erhebungen als Totschlagargument genutzt wird, ohne sich den Erhebungskontext, die Methodik und die Fragestellungen intensiv anzuschauen.

          • Hallo David,

            laut o.g. Zahlen entstehen gut zwei Drittel aller HIV-Infektionen in Deutschland durch MSM. Dein Einwand, dass viele MSM Männer sich nicht als MSM zu erkennen geben, würde doch bedeuten, dass auch ein Teil der Männer, die in der Statistik als Infizierte durch heterosexuelle Kontakte gelten, eigentlich zur Gruppe der MSM gezählt werden müssten, der Anteil der MSM-Gruppe und damit der Risiko also noch höher wäre.
            Es reicht eben nicht sich auf häufig wechselnde Partnerschaften zu konzentrieren, sondern gerade die Gruppe der MSM sind mit erheblichem Abstand das Hauptrisiko. Dies zu verschleiern ist eine Gefährdung anderer. Wenn Formulierungen so gewählt werden sollen, dass sie Fakten verschleiern weil sie unangenehm sind, nenne ich das politische Korrektheit.
            Ich kann verstehen, dass der Verwurf eines risikobehafteten Sexuallebens unangenehm ist, aber er begründet sich nun mal darauf, dass ein großer Teil der Gruppe der MSM dieses risikobehaftete Sexualleben führt.
            Der Festlegung der Risikogruppen wird regelmäßig von einer Expertengruppe überprüft. Da sich die HIV-Neuinfektionen zur Zeit auf Rekordniveau befinden, gibt es keinen Grund zur Entwarnung und erst recht keinen Grund die Haupt-Risikogruppen irgendwie zu verschleiern.

          • @flyingtoaster
            1. Wird nicht jedes gespendete Blut grundsätzlich auf Krankheiten getestet?
            Wenn das der Fall ist, was ich doch schwer hoffen will, dann leitet sich daraus für mich ab, dass
            a. Ausschlußkriterien für Risikogruppen unnötig sind
            b. die Spenderperson benachrichtigt werden könnten, falls in ihrem Blut HIV nachgewießen wurde, es also auch einen informativen Nebeneffekt für die betreffende Person haben kann

            2. Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass eine HIV-Infizierte Person tatsächlich zur Blutspende geht? Und das obwohl die Person wissen sollte das ihr Blut nicht angenommen wird.

          • Hallo Michael,

            durch die diagnostische Lücke oder Probenvertauschung gibt es definitv eine nicht zu vernachlässigende Restwahrscheinlichkeit, dass eine HIV-infizierte Blutspende übersehen wird. Daher ist es bereits vor dem Test nötig, das Risiko eines HIV-infizierten Spenders klein zu halten. Der Ausschluss von Risikogruppen durch das TFG war wesentlich für die Verminderung der Infektionswahrscheinlichkeit nach den Skandalen in den 90er Jahren. Wieviel Risiko bei Blutprodukten toleriert wird, ist ein gesellschaftlicher Diskurs. Die Risiken herunterzuspielen oder zu verschleiern halt ich jedenfalls für unverantwortlich. Die Verantwortung dafür, dass zwei Drittel aller HIV-Infizierten in Deutschland in der Gruppe der MSM gefunden werden, liegt nunmal am Sexualverhalten dieser Gruppe. Mit einem fast hundertfach erhöhtem Infektionsrisiko bei MSM-Sexualkontakt gegenüber heterosexuellen Sexualkontakten ist es nur schwer zu argumentieren, dass die sexuelle Orientierung keinen Einfluss hätte.
            Wer auf der einen Seite den Ausschluss von Risikogruppen lockern möchte, muss auf der anderen Seite auch offen zugeben, dass damit das Risiko von HIV-infizierten Spenden erhöht wird.
            Das Transfusionsgesetz und die Rechtssprechung stellen das grundrechtlich geschützte Lebensgut des Empfängers vor alle anderen Erwägungen. Im Übrigen beschäftigen sich die Verantwortlichen durchaus regelmäßig mit der Frage, wie man einen weniger diskriminierenden oder effektiveren Risikoausschluss erreichen kann. Dafür wäre jedoch eine deutlich stärkere Ausforschung des individuellen Sexuallebens erforderlich, was auch nicht erwünscht ist.

          • Nur kurz von mir als letzter Beitrag: Ja, mein Beispiel war offensichtlich schlecht durchdacht, das widerlegt aber für mich nicht die Notwendigkeit, sich die Art und Durchführung der Erhebungen genau anzuschauen um sie als eindeutige Argumentation zu Rate zu ziehen.
            Auf politischer Ebene rate ich dazu, die von Brein weiter unten verlinkte Petition und deren Begründung zu Rate zu ziehen, darin befindet sich ein älterer Beschluss der europäischen Kommission, auf den sich in diesem Fall der LSVD bezieht.

  2. Da müßt Ihr jetzt aber brav ein paar Folgen nachholen : )

    War wie immer interessant.

  3. Dringend lesenswert zu den Nigerianischen Mädchen ist dieser Artikel aus der SZ: http://www.sueddeutsche.de/politik/afrika-buch-heiliger-krieg-heiliger-profit-auf-der-spur-des-geldes-1.1975238

    Wenn das stimmt (und es klingt leider sehr plausibel), tun wir den Mädchen überhaupt keinen Gefallen, wenn wir über sie berichten: weil wir damit vor allem den Marktwert ihrer Entführer steigern. Eine fürchterliche Schlussfolgerung, die mir jeden Kommentar zu dem Thema im Halse hat stecken lassen. Und jetzt kann ich’s doch nicht lassen, hier immerhin diesen SZ-Text zu verlinken.

    • Liebe Laura,

      ist das nicht immer der ganz große Zwiespalt, wenn solche Dinge passieren? Ist es. aber ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass die Welt irgend ein Stück besser wird, wenn man über die schlimmen Dinge, die passieren, schweigt. Solche Schweige-Übereinkünfte halte ich für grundfalsch.

      Ich sehe schon oft auch, dass der Zwiespalt nicht respektvoll und verantwortlich beachtet wird. Denken wir an Wiki-Leaks. Berichterstattung muss verantwortlich sein, einsortieren, abwägen. Aber sie ist nötig. Wenn wir wegen der Boko Haram unsere Berichterstattung einschränken, dann haben wir – in meinen Augen – eingeknickt.

      Ich sehe es anders: Wir erleben gerade in vielen Ländern dieser Welt ein irrsinniges Erstarken des Irrsinns. Die nachrichten kommen nicht nur aus Nigeria, sie kommen aus dem Irak, aus Kenia und auch in Osteuropa und an der Peripherie Russlands spielen sich solche Szenen ab. Es ist kein Einzelfall – es ist ein weltweites Problem und man muss sich als Menschheit fragen, was man tun kann.

  4. Ihr lieben Feministen,

    was ist das denn für schöne Musik, die ihr zu Anfang spielt?

    Und noch etwas explizit Feministisches: Dank Katrins Gespräch im CRE Feminismus konnte ich ein anderes Bild vom Feminismus bekommen als das des Feminist Burnout. Und mit dem Artikel “Du sollst deine Leser nicht beschämen”. Danke! Er sagt, was mir so oft bei feministischen und Rassismus betreffenden Gedanken durch den Kopf geht.
    Gewalt und Anfeindungen (und ich zähle dies zu Formen von subtiler Gewalt) lösen Probleme nicht.
    Davor fand ich die Idee des Feminismus schon gut, hatte (und habe immer noch) überhaupt keine Lust auf Zickenkrieg und konnte mit Feminismus nicht viel anfangen.
    Danke! Höre jetzt regelmäßig euren Podcast.

    Liebe Grüße
    Marie

    • Liebe Marie,

      herzlich willkommen in der Hörerinnenschaft unseres kleinen Podcasts.
      es ist immer gut, ein feministisches zuhause zu finden und ich weiß, dass man das nicht in allen gruppen hat.

      Das Intro (siehe oben): CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

      liebe Grüße

  5. Hallo lilane Podcasterinnen,

    nun habe ich alle eure Podcasts durchgehört und höre justament diesen noch zu Ende.

    Ich habe ein paar Anmerkungen zu dem Podcast.
    Aber erstmal zur aktuellen Folge.
    Ich konnte es nicht glauben, dass sich Leute wegen röcketragenen Jungs aufregen.
    Vor kurzem, auf dem WGT in Leipzig, lief gefühlt jeder 10 Kerl in einem Gehrock rum. Und im Gegensatz zu anderen Festivals, findet das mitten in der Stadt statt.
    Zum Männertag (Christi-Himmelfahrt) bin ich mit geflochtenen Haaren rumgelaufen.
    Seit geraumer Zeit lasse ich mir die Haare wachsen und an diesem Tag wurde von der ganzen Männerrunde bestimmt, dass ich die Haare geflochten kriegen soll.
    Nun ist es bei uns (und sicher auch wo anders) Brauch, mit dem Fahrrad alle Dörfer abzuklappern und dort in jeder Schenke einen zu heben.
    Also sind wir, betrunken durch die Dörfer gezogen und haben mit anderen betrunken Kerlen gesoffen. Unterwegs hatte ich meine Haarpracht auch vergessen. Warum? Weil mich kein einziger deswegen angemacht hat. Was die Leute sich gedacht haben, kann ich nicht sagen und ist mir auch egal. Ich bin was das angeht, recht Schmerzfrei.
    Klar sah das unfassbar dämlich aus, aber alle haben mich in Ruhe gelassen und sind mit mir normal umgegangen.
    Woher das kommt, weiß ich nicht. Der Männertag, wo alle Kerle besoffen auf den Straßen sind, ist wohl kaum ein besonders günstiger Rahmen für sowas. Vielleicht liegt es an unserer Gottlosigkeit hier im Osten.
    Da dachte ich, bald haben wir es soweit: https://www.youtube.com/watch?v=L61xxuvRbas

    Generelles:
    Mich würde es freuen, wenn Ihr mehr Theorie einbetten würdet.
    Sicher wäre auch mehr Geschichte interessant, für mich vor allem die der Suffragetten, dennoch würde mich der Hintergrund zu bestimmten Fassetten feministischer Themen am meisten interessieren.

    Ein Beispiel: Ich habe mich schon immer für Technik interessiert, vor allem für Dinge, die mit Strom funktionieren.
    (Bin E-Techniker und studiere techn. Informatik.)
    Das Interesse an den Natur- und Ingenieurswissenschaften ist in Deutschland ohnehin schon außerordentlich gering, aber unter den Interessenten ist der Frauenanteil (gefühlt) in gleicher Weise nochmal so gering.
    Auch wenn die Quote besser und immer besser wird: http://www.hauptsache-bildung.de/2013/anzahl-der-mint-studienanfaenger-an-deutschen-hochschulen/
    Ich persönlich hätte nichts gegen mehr Nerdinen im Studium und auf der Arbeit. Ich war nie der Meinung, dass Frauen das nicht könnten und die stattdessen “Frauenberufen” nachgehen sollten. Auch habe ich nie einen Ing. kennen gelernt, der dieser Ansicht war. Eher waren es die Frauen/Mädchen, die sich mit Abscheu diesen Themen abwendeten und fast schon aggressiv auf die Frage nach dem Warum reagierten. (Ja, weil ich es halt nicht mag!) [Ich kann da noch andere Beispiele nennen.]
    Dabei hatte ich dafür kaum Verständnis und hielt es für unvernünftig. Ich verstand nicht, warum “Frauen” das nicht auch wollen, immerhin ist das ein wichtiger Schritt zur Selbstermächtigung, wie auch für Kerle. (Trifft auf generell jedes Handwerk zu.)
    Also dachte ich mir, Frauen/Mädchen wollen halt nicht. Und in diesem Zusammenhang verstand ich Aktionen wie den Girls-Day nicht. Da werden Frauen gepempert ja bitte doch eine technische Ausbildung wahrzunehmen, obwohl sie das offensichtlich nicht wollen.
    Gibt es Theorien/Studien/Irgendwas zu diesem Phänomen?
    Wollen Frauen wirklich Mehrheitlich “nur” *was mit Menschen/Tieren/Medien* machen? (Dagegen ist im Grunde nichts zusagen. Nur hätte ich gern dazu ein paar belastbare Daten.)
    Ursachen können dafür vielseitig sein.
    – Ein angebohrenes Desinteresse bei Frauen.
    – Ein Mangel an Vorbild: geschlechterübergreifend gelten die MINT-Berufe und die Ingenieure und Forscher als piefig und haben einen schlechten Ruf. Ist dies bei Frauen noch viel stärker?
    – Ein Mangel an Ausbildung, Unterstützung und Förderung von Frauen in technischen Berufen? Trauen sich Frauen diese Berufe nicht zu, oder haben Angst bei solch einer Berufswahl den Anschluss an ihre Peergroup zu verliehen? (Stichwort: Mannsweib – Oder – das schickt sich nicht.) Etwas wogegen die Frauenquote wohl versucht anzukämpfen.

    Weiteres Beispiel: Gibt es Theorien hinter der Frauenquote?
    Ich möchte mal bewusst provokant fragen, warum gibt es keine Frauenquote bei Stahlarbeitern, im Bergbau oder im Straßenbau? Warum ist sie nur in Diskussion für die eher lukrativeren Berufe wie den Chefsessel oder im Vorstand?
    Der Hintergrund der Frage ist klar geworden, denke ich. Nämlich der Punkt, der mangelnden Freiheit sich zu entscheiden und das wiederum auch nur sehr selektiv. Stellt euch mal vor, man hätte der Kadda gesagt, sie müsste jetzt Maschinenbau studieren und ein Kerl, der das eigentlich wollte, müsste stattdessen Medienkommunikation studieren, um die Quoten zu halten. (In der DDR wurden so früher die Studienplätze vergeben, aber natürlich nicht hinsichtlich des Geschlechts.)
    Dies ist gewiss nicht meine Meinung, aber dennoch ein legitimer Einwand. Klar verstand ich einiges mehr, als Kadda sagte, sie musste fast in den Vorstand der Grünen gezwungen werden, bis sie es sich dann auch zutraute. Aber mich interessiert die Theorie dahinter, belastbare Daten und nicht nur wilde Behauptungen von Maskus und Femen.
    Kann es auch sein, dass bei der Quote sich der Konkurrenzkampf für die Frauen ändert? Wenn erstmal alle XY-Posten, die die Quote zulässt besetzt sind, stehen die Frauen dann “nur” noch mit anderen Frauen in Konkurrenz, oder täusche ich mich da?

    Auch wären Zahlen zu den Einkommensunterschieden interessant.

    Ich hoffe sehr, dass sowas mit eingebaut werden kann. Ein Thema pro Folge würde ja reichen, oder mal aller 2 bis 3 Folgen. Mir ist klar, dass dann der Aufwand für die Vorarbeit der Folgen steigen wird. Dennoch wäre ich sehr dankbar dafür.

    So das war’s erst mal.
    Das nächste Mal fasse ich mich (vielleicht etwas) kürzer.

    Ich wünsche euch noch viel Erfolg
    BrEin

  6. Hey BrEin,

    ich habe mal längere Essays über die Quote verfasst, die ich dir einfach nur verlinken will.
    1. http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ohne-arschtritt-lauft-es-nicht
    2. https://www.freitag.de/autoren/katrin/ist-der-arschtritt-denn-legal

    Bei der Frauenquote sind natürlich bislang nicht alle gesellschaftlichen Bereiche mitgedacht. Es sind eben erst einmal die, die mit Macht einhergehen, Politik und Wirtschaft. Die sozialen Bereiche oder die Jobs mit geringeren Qualifikations-Notwendigkeiten sind komplizierter zu regeln.

    Bei dem “nach oben wollen” kann man eben klarer sehen, dass es oft nicht an Qualifikation oder an Kompetenz mangelt, sondern schlicht am Geschlecht. Und an der Sozialisation.

    Gibt es ein “nach unten wollen”? Das wäre ja die erste Frage. Vermutlich nicht. Da ist man dann ganz arg schnell bei einer Diskussion über gesellschaftliche Hierarchien, Elitenbildung, vertikale und horizontale Durchlässigkeiten und so weiter… das ist eine sehr breite soziologische Diskussion und die würde hier und im Podcast ziemlich den Rahmen sprengen, fürchte ich.

    Also: Es geht nicht darum, etwas vorzuschreiben und Freiheiten einzuschränken. Es geht vielmehr um Ermöglichungsräume. In der Politik hat das funktioniert. Und leider nur so funktioniert. Und überall da, wo gesellschaftliche Macht ausgeübt wird, sollte man schauen, dass Diversität gegeben ist. Das betrifft ganz stark die Repräsentanz immerhin der Hälfte der Bevölkerung, Frauen. Das betrifft aber in zunehmenden Maße auch Migrantinnen. Es ist einfach eine Frage der Demokratie und des Pluralismus, dass dort, wo Gesellschaft gemacht wird, auch alle mitmachen – in Vielfalt.

  7. und die Anregung, mehr Theorie einzubetten: Wir geben uns Mühe. Generell gibt es von mir für Einstiegslektüre mit viel eingebetteter Theorie die Empfehlung, mal in “Wir Alphamädchen” reinzulesen. Das ist auch einfach super zum Nachschlagen. Und aktuell, brandneu und sehr umfassend wäre da auch: “Stand Up” von Julia Korbik

  8. Die Sound-Qualität von Susanne ist wesentlich besser. Super!

  9. Diese Petition könnte man durchaus auch mit “Todspenden” unterschreiben, denn sie hat zum Ziel das HIV-Risiko zwischen MSM- und heterosexuellen Sexkontakten zu relativieren und spielt damit mit der Gesundheit der Blutspende-Empfänger.

    “Deshalb muss der Risikoausschluss bei MSM in den Richtlinien zur Hämotherapie neu formuliert werden, so dass Heterosexuelle und MSM gleichberechtigt sind.”

    Wenn ich sowas lese frage ich mich ernsthaft, was in den Köpfen mancher Leute vorgeht. Die Zahlen legen nun mal eindeutig dar, dass Heterosexuelle und MSM alles andere als gleich risikoreich sind.

    “Anzahl und Anteil der homo- und bisexuelle Männer an den HIV-Erstdiagnosen sind seit dem Jahr 2001 kontinuierlich gestiegen, von knapp 50 Prozent der Meldungen im Jahr 2001 auf 74 Prozent der Meldungen im Jahr 2012.” (Quelle: RKI Epidemiologisches Bulletin Nr. 24 S. 216)

    Ich sehe grundsätzlich kein Problem homo- oder bi-sexuellen Männer das Blut- oder Knochenmarkspenden zu ermöglichen, allerdings darf dies auf keinen Fall mit einer Erhöhung des Inkfektionsrisikos einhergehen. So ist es in der Diskussion, den Ausschluss von MSM von der Blutspende nicht mehr dauerhaft, sondern zeitlich begrenzt einzuführen. Dazu laufen bereits Untersuchungen und Forschungsprojekte, allerdings malen die Mühlen langsam und bevor die allgemeinen Regeln geändert werden, müssen die Ergebnisse abgewartet werden.

    Übrigens herrscht in Deutschland kein Mangel an Spenderblut.

    • @flugtoster
      “Übrigens herrscht in Deutschland kein Mangel an Spenderblut.”

      Vieles von Dir muss ich erstmal nachlesen. Das hier ist aber Quatsch.
      Immerhin ist das jeden Sommer Thema:

      http://klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=vollstaendiger_artikel&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3819&cHash=ab72da3f16405ab7eff6f484bc545d8f

      http://www.wdr2.de/service/blutspenden100.html

      Gruß
      BrEin

      • Hi BrEin,

        ja, Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser. Eigentlich bemühe ich mich keinen Scheiß zu erzählen und Fakten zu überprüfen. Natürliche erregen bei mir die Dinge, die meinen Standpunkt untermauern mehr Aufmerksamkeit 😉
        Ich bin bei kontroversen Themen daher über jede Info dankbar, die mich zur kritischen Betrachtung meines Standpunktes anregt. Genau deshalb höre ich auch diesen Podcast besonders gerne und freue mich über jede neue Folge.
        Selbst verständlich auch wegen der sympatischen Art von Katrin und Susanne Themen zu diskutieren, die ich entweder niemals zu Gesicht bekäme oder bei denen ich normalerweise einen signifikanten Blutdruckanstieg bekomme.

        Quatsch ist natürlich schon eine harte Ansage, da sie ja sozusagen meine Aussage in Gänze in Frage stellt. Tatsächlich gibt es bei gewissen Blutgruppen, insbesondere der Universalspendergruppe 0 negativ und saisonal Blutknappheit, aber einen strukturellen Mangel gibt es nicht.
        D.h. es ist nicht zu erwarten, dass die generelle Erhöhung der Spenderzahl bzw. der Spendenbereitschaft die kurzfristige Mangelzustände verhindern würde, ohne ein Überangebot zu schaffen.
        Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Deutschen sehr aktive Blutspender und da die Deutschen auch (Hüft-)Operationsweltmeister sind, wird hier auch sehr viel Blut verbraucht.

        Naja, ich kritisiere nicht das Ziel homosexuellen Männern das Blutspenden zu ermöglichen, ich kritisiere den Versuch der Petition das stark erhöhte Risiko von Infektionskrankheiten, nicht nur HIV auch Hepatitis B+C, durch homo- und bi-sexuelle Männer zu verschleiern.

        Ich habe beim Lesen der Petition das Gefühl, dass die Initiatoren ein höheres Infektionsrisiko bei Blutspenden als Preis für die Abschaffung einer Diskriminierung als ein “höheres” Ziel billigend in Kauf nehmen.
        Zumindest wenn man davon ausgeht, dass den Initiatoren die Zahlen des RKI bekannt sind. Das will ich keinesfalls akzeptieren.
        Wenn man die Webseite buntspenden.de betrachtet und den Text der Petition liest entsteht der Eindruck homosexuelle Männer würden vom Blutspenden ausgeschlossen, eben weil sie homosexuell seien. Die deutlich erhöhte HIV-Infektionsrate wird einfach unter den Tisch gekehrt. An den Kommentaren unter der Petition sieht man, dass die Strategie aufgegangen ist. Man kann sich schon jetzt vorstellen, wie viel Beachtung eine derartige Kampagne bei den Vertretern der Ärzteschaft findet, nämlich keine.

        Man kann es drehen und wenden wie man will, eine stark positive Korrelation zwischen homosexueller Orientierung und HIV-Infektionsrate besteht.
        Ob diese nun dadurch hervorgerufen wird, dass homosexuelle Männer ein riskanteres Sexualleben führen oder ob die Sexualitität unter Männern generell ein hoeheres Infektionsrisiko trägt, ist von der Konsequenz egal. Der Schutz der Bevölkerung steht an erster Stelle und der Verlass auf Safer-Sex reicht anscheinend nicht.

        Um mich ein weiteres Mal zu wiederholen, der lebenslange Ausschluss von MSM steht ja bei den Experten bereits länger zur Diskussion, nur ist bisher noch keine praktische Alternative gefunden worden, die bei gleicher Sicherheit weniger in die Privatphäre eingreift bzw. weniger diskriminiert.
        Der Vorschlag der Petition MSM in einen Topf mit allen anderen zu stecken, ist angesichts der Zahlen jedenfalls nicht akzeptabel.

  10. zum abschnitt “gesetz gegen street harassment”:
    ich wäre immer sehr vorsichtig vom missbrauch solcher gesetze zu sprechen, weil dieser vorwurf sehr häufig gebracht wird, um betroffene zu diskreditieren, für die es meist eh schon schwer genug ist, solche vorfälle überhaupt anzusprechen. ich kenne das vor allem im rahmen von victim-blaming bei sexualisierten übergriffen, wo frauen* unterstellt wird, sich solche übergriffe nur ausgedacht zu haben, um männer*n zu schaden -> böse frau* nutzt rechtliche grundlage, um unschuldigem mann* eins auszuwischen.
    diesbezüglich würde mich interessieren, was ihr generell über das konzept definitionsmacht denkt, von diesem podcast zu schließen scheint ihr das eher kritisch zu sehen. ist das so?

    • Es ist ein wahnsinnig schwieriges Thema, das ich kaum mit einem klaren Pro oder Contra beantworten kann. Wie in der Sendung ja auch klar wurde, haben wir eher eine einerseits-andererseits-sowohl-alsauch-Meinung. Einerseits ist ein Gesetz eine gute Möglichkeit, Missstände sichtbar zu machen. Andererseits wird ein Gesetz, das einen schwer nachzuweisenden oder auch schwer zu definierenden Gegenstand betrifft, immer Ziel von Angriffen sein, zum Beispiel in diesem Fall dem Vorwurf, es könne leicht missbraucht werden.

      Das Konzept der Definitionsmacht (für alle, die den Begriff nicht kennen: http://de.wikipedia.org/wiki/Definitionsmacht_(sexualisierte_Gewalt)) hat die gleichen Schwächen und Stärken wie ein solches Gesetz gegen street harassment – es zeigt einerseits, dass persönliche Grenzen auch da überschritten sein können, wo es keine gesetzlichen oder definierten Grenzen gibt. Andererseits ist genau das auch sein “Problem”: Es ist ein Einzelfallkonstrukt.

      Was ich aber glaube: In jeder gesunden, respektvollen Beziehung wird sowieso das Konzept der Definitionsmacht gelebt. Jede und jeder interessiert sich für die Grenzen der oder des Anderen und respektiert sie auch. Übertragen auf den öffentlichen Bereich heißt das, dass ich die Hoffnung habe, genau dieser respektvolle Umgang miteinander ließe sich herstellen, indem Menschen sich für die Grenzen anderer interessieren, indem Kinder entsprechend erzogen werden, indem Geschlechterklischees (“Die findet das doch gut…”) irgendwann Vergangenheit sind. Deswegen ja das Feminismus-Ding.

  11. Ein Gesetz gegen street harassment könnte die Symbolwirkung haben. Wenn ich abends alleine an einer Haltestelle stehe und ein Mann macht anzügliche Geräusche ruft mir rüber: Na Süße, so alleine? oder wenn ich über eine Brücke gehe und eine Gruppe Jugendlicher versperrt mir absichtlich so den Weg, dass ich mich vorbeiquetschen muss und dann ruft einer “Hey, geiler Arsch” wären die anderen johlen und sich abklatschen… (beides Situationen aus den letzten zwei Wochen) dann erlebte solche Belästigungen als bewusste Machtdemonstration von Männern. Sie wissen, dass die Frau “still hält”… dass sie es hilflos igorieren wird und sich nicht umdreht und ihre Meinung sagt. Je nach Situation und bisher erlebten Gewalterfahrungen, können solche Situationen nicht nur unangenehm sein sondern einem echt Angst machen. Ich finde man sollte sowas nicht verharmlosen.

    Ein Gesetz wäre ähnlich wie eines gegen Beleidigung. Auch da ist die Abgrenzung und genaue Definition schwer, trotzdem gibt es das Gesetz. Es findet nur wenig Anwendung aber alleine, dass es existiert gibt einen gewissen Machtausgleich, eine positive Signalwirkung in Richtung der Betroffenen und Männer überlegen es sich vielleicht zweimal.

    PS: Frauen können natürlich genauso Täterin sein.

  12. Manchmal habe ich das Gefühl Männer wehren sich gar nicht gegen dein Eindruck Täter zu sein. Denn das ist doch der leichte Weg. Wenn ich als Mann sage, das sich gar nicht anders kann mich wie ein Blödmann zu verhalten und Frauen anzugraben, weil das die Grundlage meines Wesens ist, dann muss ich an mir auch nichts verändern und kann immer bleiben wie ich bin.

    Dann können Frauen nur in Kampfkurs und Empowerment- Kurse fliehen und jeder kurze Rock ist der Beweis dafür, dass (Mann) auch noch gereizt wurde.

    Wem ist damit am Ende geholfen? Dann lieber darauf schauen das Männer auf eine Art und Weise erzogen werden (und von ihrer Umwelt beeinflusst) die Verhaltensweisen fördert, die zu harassment und co führen und das ist ja nun doch tatsächlich etwas, was sich verändern lässt.

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