Lila022 Eltern bildet Banden!

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9783462047080Kinder, Kinder!

Was machen wir nur mit diesem elendigen Thema: Es gab vor Jahren einmal ein Buch, das trug den Titel “Von der Kunst in Deutschland Kinder zu kriegen”. Schon damals war vielen Meschen klar, dass dies hierzulande wirklich nicht gerade leicht ist und viele Menschen scheuen sich davor, weil sie Angst haben, sich mit Nachkommen ins Verderben zu stürzen. Papa kann auch stillen von Tobias Scholz

Deswegen sprechen Susanne und Katrin einerseits über zwei aktuelle Bücher und andererseits über ihre eigenen Erfahrungen und Eindrücke als Eltern. An Büchern wäre da zum einen “Seid fruchtbar und beschwert euch” von Malte Welding und zum anderen “Papa kann auch stillen” von Stefanie Lohaus und Tobias Scholz. An Erfahrungen – na ihr werdet es ja hören.

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Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

Links und Hintergründe

11 Kommentare

  1. ****”Ich hab’ lange gewa-artet – Vor mei-nem podcat-cher. Hier ist der li-la podcast, die audio sho-how****** (sing…)

    Vielen, vielen Dank für diese spannende neue Folge. Traurigerweise fühlte ich mich zu Beginn an den zynischen Ausspruch eines älteren Verwandten erinnert:

    “Wenn eine Beziehung funktioniert, dann weil ein Partner bereit ist den Deppen zu machen”

    Blicke ich um mich, weiß ich zumindest, was damit gemeint ist. Wer beruflich kürzer tritt, um den eigenen Partner vor der Deppenrolle zu bewahren, büßt nicht nur Einkommen ein. Gerade in den “bessere Leute Berufen” kann man doch oft erst nach einigen Jahren Knechtschaft beruflichlich irgendwo ankommen.

    Eine Geschlechterfrage ist das doch nur noch deswegen, weil Männer ihre Partnerinnen anscheinend nach wie vor leichter “deppisieren” können, als umgekehrt.

    Ich würde mal folgende These in den Raum werfen: Wer sehr großen beruflichen Ehrgeiz hat, der tut vielleicht besser daran, auf Kinder zu verzichten unabhängig vom Geschlecht. Was denkt ihr dazu?

    Eine interessante (subjektive) Beobachtung an meiner Uni: Während es Ü50 so ist, dass die Professoren Kinder bekamen und die (rah gesähten) Professorinnen nicht, ist es bei den jüngeren offenbar so, dass weder Wissenschaftler noch Wissenschaftlerinnen Familien gründen.

    • Hallo,

      zu deiner Frage am Schluss: Es sieht im Moment so aus, als müssten Leute, die sich beruflich verwirklichen wollen, auf Kinder verzichten. Für viele Menschen ist das Realität und gerade weil du den akademischen Bereich ansprichst: Zumindest ich habe mich deswegen aktiv gegen eine wissenschaftliche Karriere entschieden, genauso gegen eine politische usw…
      aber das halte ich für FALSCH und ich finde, dass man daran etwas ändern sollte, auch weil ich fest daran glaube, dass man es ändern KANN.
      Das ist dann meine politische Haltung und dafür werbe ich.

      Womit wir auch zu deiner Behauptung kommen, dass sich in Beziehungen meistens Frauen zum Deppen machen lassen. Da frage ich doch: Was heißt denn hier Deppen??! Weil Frauen Dinge erledigen, die *notwendig* sind, sind sie Deppen?
      Nein: Sie sind keine Deppen, sie übernehmen die eine Art der Verantwortung und der Mann die andere und das ganze entland von Geschlechterrollen (Frau = sozial und Mann = wirtschaftlich), die Jahrtausende alt sind und die strukturell in der Gesellschaft belohnt werden, zumindest so lange die beiden zusammenbleiben. Es ist, wie wir auch im Podcast sagen, in den Köpfen manifest und es fühlt sich fast immer als der einfachere Weg an. Stefanie und Tobias müssen sich ständig dafür rechtfertigen quasi, dass sie es anders machen. Es ist eine Norm. Und wer einer Norm folgt ist nicht zwangsläufig ein Depp.
      Was politisch nötig ist, finde ich, das wäre eben an der Norm zu sägen. Und darum ja auch diese Bücher, diese Sendung und mein Kommentar: Was wir statt Resignation brauchen ist eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber, wie wir leben wollen. Denn was wir momentan machen, da bin ich ganz bei Malte, ist eine Kein-Kind-Politik, die erfolgreicher Kinder verhindert, als die Ein-Kind-Politik in China.

      beste Grüße
      Katrin

      • Oh je, ich fürchte das ist ein bischen falsch angekommen, entschuldigt bitte, offenbar war ich sehr missverständlich. Ich muss auch gestehen: Ich habe gestern nur die erste Hälfte geschafft und hätte sonst wahrscheinlich gar nicht kommentiert. Das mache ich nächstes Mal besser, versprochen.

        Mein Kommentar hört sich etwas provokant, das war eigentlich gar nicht meine Absicht. Ich teile Deine politischen Aussagen natürlich (wer würde das ernsthaft nicht tun).

        Der Hintergrund meiner Frage ist wahrscheinlich, dass ich Anfang/Mitte zwanzig bin und mir natürlich Fragen danach stelle, wie man sein Leben überhaupt leben möchte und welche Entscheidungen man wie treffen sollte. Und da hilft mir eine richtige und unterstützenswerte Forderung nur bedingt weiter, leben muss ich ja in der verkorksten Welt wie sie ist.

        Ich wollte mir diesen komischen Ausspruch übrigens gar nicht zu eigen machen, deshalb habe ich ja auch geschrieben, ich “verstehe was damit gemeint ist” und nicht “finde ich auch so”. Natürlich ist die Bezeichnung “Depp” nicht sehr freundlich. Natürlich erledigt ein Mensch, der sich ganz reproduktiver Arbeit widmet essentielle Aufgaben ohne die niemand leben könnte. Aber leider ist die Situation doch meistens die, dass diese Arbeiten wenig “Credit” geben. Wenn ein Partner diese Aufgaben für den anderen übernimmt, erscheint mir das häufig als eine Form der Ausbeutung (in diesem Sinne: zum “Deppen” machen).

        Am Ende wollte ich eben genau darauf hinaus, ob sich nicht junge Menschen (aber da ich selbst ein Mann bin, habe ich wahrscheinlich vor allem an junge Männer gedacht) von der Idealvorstellung tolle Familie + toller Beruf Abstand nehmen und sich für eines entscheiden sollten.

        Natürlich fände ich es auch schöner, wenn beides ginge, aber praktisch gedacht: Es scheint mir so unrealistisch. Mag andererseits an meiner persönlichen Situation liegen.

        Ich hoffe, ich konnte mich damit ein wenig erklären.

        Viel Erfolg und weiter so.

  2. ja, konntst du 🙂
    und danke!

    ich hoffe, dass Leute den Mut behalten, Kinder zu bekommen. Auch du.

  3. Ich finde das Thema total spannend, vor allem seitdem ich in Belgien wohne und selber Kinder habe. Ich bin auf dem Weg in eine wissenschaftliche Karriere (Doktorarbeit) und mein Mann arbeitet Vollzeit. Natürlich ist das sehr anstrengend, aber vor allem meinerseits den Stress wert! Man muss aber dazu sagen dass ich quasi kein Hobby ausübe und meine Freunde meine Kollegen sind… Es macht mir also nichts aus meine “Freizeit” Abends mit Arbeit zu verbringen. Wir packen beide zuhause mit an, und teilen uns alle Haushalts- und Kinderaufgaben, und versuchen die Wochenenden so frei wie möglich zu halten. Ich bin inzwischen davon überzeugt dass das in Deutschland nicht gehen würde, allein wenn wir in Urlaub zuhause sind schlägt uns soviel Skepsis und schlicht beleidigende Kommentare entgegen… Und die Infrastruktur hier in Belgien ist zwar teuer, aber auf arbeitende Eltern ausgerichtet. Hier gehen selbst Kinder in die Krippe die einen Elternteil zuhause haben, denn es gilt: Kontakt zu Gleichaltrigen ist wichtig!
    Trotz allem sehe ich nicht warum es immer noch eine Art Wettbewerb zwischen “Zuhausebleibern” und “Draußenarbeitern” gibt. Wenn ich drei Tage mit den Kindern zuhause bin habe ich dort mit Aufräumen, Putzen, Kochen etc. mindestens zeitlich genauso viel arbeit wie wenn die ganze Familie den Großteil des Tages nicht zuhause ist. Denn wer nicht zuhause ist macht auch kein Chaos, und ich muss keine pädagogisch wertvolle Unterhaltung bieten, zumindest nicht im gleichen Ausmaß. Nicht jedes Lebensmodell ist auch für jeden geeignet, und ich würde mir sehr wünschen wenn das auch allgemein akzeptiert würde. Wenn mir jemand ohne jede Aufforderung (und ohne mich und meine Lebenssituation zu kennen) sagt “ich bin überzeugt dass es das Beste für die Kinder ist wenn ein Elternteil zuhause bleibt” ist das mehr als eine persönliche Meinung. Es ist gleichzeitig eine Bewertung dessen was alle anderen mit ihrem Leben anstellen. Wenn man hinzufügt “für MEINE Kinder” oder “ich fühle mich am wohlsten wenn…” sieht das schon wieder ganz anders aus.

  4. Nachtrag: super, super, super Podcast! Es ist meine erste Folge und ich freue mich schon auf mehr!

  5. Gerade was das berufliche Umfeld und die Möglichkeiten betrifft, würde ich mich freuen, wenn ihr auch mal über euren Akademikertellerrand schauen würdet.

    Eure Vorstellungen und Wünsche sind ja ganz nett, aber sag die mal einer Köchin oder einem Elektroinstallateur in einem 5-Mann-Betrieb.

    Liebe Grüße
    Le

    • das spreche ich schon auch an, wenn es mir darum geht zu zeigen, dass es den Schutz der Familie so nicht gibt. Dass der Schutz der Familie nur der Schutz der Ehe ist und ab einem bestimmten Supereinkommen alles kein Problem mehr ist.

      trotzdem kommt es vielleicht insgesamt ein wenig zu kurz, das stimmt. In meinem Buch, das im Mai erscheint, wird es nicht zu kurz kommen. Da ist das ganze Thema Arbeit sehr ausgewälzt, denn das Problem betrifft ja nicht nur Familien (aber die ganz besonders).

      Liebe Grüße

  6. Danke für die sehr interessante Folge! In den allermeisten Punkten kann ich eure Ausführungen unterschreiben. Persönlich bleibt jedoch der Eindruck bei mir hängen, alles falsch gemacht zu haben, denn ich sitze trotz Universitätsabschluss mit vier Kindern zu Hause und arbeite rund um die Uhr. Leider wird der Wert dieser Arbeit bei euch wie überall nicht wirklich geschätzt. Schade!
    Was mich auch etwas gestört hat, ist die These, dass Menschen, wenn sie wüssten, dass die Kinder vom Staat in Krippe und Schule gut betreut und mit Essen versorgt würden, mehr Kinder bekommen würden. An eine hohe Geburtenrate in der DDR kann ich mich eigentlich nicht erinnern.
    LG, Micha

  7. Liebe Micha,

    kannst du konkretisieren, wo du dran fest machst, dass wir eine bestimmte Arbeit nicht wertschätzten?

    deine Frage zur Geburtenrate in der DDR wird ganz gut mit dem heutigen Frankreich beantwortet. Gerade zum Beispiel lief mir dieses Interview mit Barbara Vinken über den Weg, sie erklärt das ganz gut:
    http://www.deutschlandradiokultur.de/barbara-vinken-deutschland-braucht-mehr-rabenmuetter.954.de.html?dram:article_id=145590

    liebe Grüße
    Katrin

  8. Zu Kindern kann (und will) ich mich als eingefleischter Familiengegner nicht äußern. Aber zum Thema “wie wollen wir eigentlich arbeiten” doch ein paar Bemerkungen:

    Die oft vorgetragene Behauptung, man könne in qualifizierter Position nicht Teilzeit arbeiten, ist meiner Erfahrung nach kompletter bullshit. Ich habe ein einziges Mal eine Stelle nicht bekommen, weil ich auf Teilzeit bestanden habe. Im Gegenteil habe ich die Erfahrung gemacht, daß gerade kleinere Unternehmen heilfroh sind, wenn man am Ende des Bewerbungsgesprächs sagt: Und übrigens, ich arbeite nur Teilzeit. Denn die Einstellung eines neuen Mitarbeiters ist für kleinere Firmen meistens ein Kraftakt; und wenn sie dann das Angebot bekommen, ihren Personalbestand nur um eine halbe Stelle aufzustocken, sind sie oft erleichtert. Meist haben sie sich nur nicht getraut, nur eine halbe Stelle auszuschreiben aus Furcht, dann würden sich keine wirklich qualifizierten Kräfte melden. Man muß sich einfach nur trauen, dann klappt das meistens auch.

    Das andere ist das von Katrin gelobte homeoffice, das ich für eine ganz, ganz schlechte Idee halte: Ich kann das verstehen, wenn man Kinder zu betreuen hat. Und viele meiner Kollegen mit Kindern arbeiten von zu Hause aus, wenn die Kinder beispielsweise krank sind. Gelegentlich ist das auch okay. Aber als Dauerzustand ist das eine Katastrophe. Weniger deshalb, weil die dann nicht so kontrollierbar sind und weniger arbeiten würden (kommt auch vor, ist aber selten). Sondern umgekehrt: Sie arbeiten mehr und machen de facto unbezahlte Überstunden, weil sie nicht in den Ruch kommen wollen, sich einen faulen Lenz zu machen. Oder sie arbeiten, obwohl sie eigentlich krank sind. Diese Vermischung von Privatleben und Arbeit ist eine ganz ungute Sache, weil die Grenzen verschwimmen, wann ich der Firma gehöre und wann mir und ich ständig diesen Druck habe, jetzt noch schnell dies oder jenes fertig zu machen. Als Option für Notfälle ist das eine sehr gute Sache, als Dauerzustand kann ich davon nur abraten.

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