Lila055 Ich will es so!

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Der Freitagmorgen beginnt mit der Nachricht: Brexit! Susanne und Katrin beleuchten die Nachricht, sprechen über Politik und Visionen, über Vereinbarkeit und Arbeitsteilung und am Ende über Malcolm Gladwell, der wieder mehr “richtig” und “falsch” will.

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Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

Links und Hintergründe

Nach dem Brexit – in die Politik gehen?

Wir sollten mit was schönem Enden

21 Kommentare

  1. Brexit: Die Altersverteilung ist in dieser Darstellung vielleicht etwas irreführend, weil die Wahlbeteiligung unter jungen Menschen viel geringer war.

  2. Macht nicht den gleichen Fehler wie die Brexit Leute: die EU und der Europarat (der mit dem Menschenrechtsgerichtshof, um den es in dem Video geht) sind verschiedene Institutionen. Brexit bezieht sich nur auf die EU. Der EGMR ist allerdings auch sehr unpopulär und wahrscheinlich das nächste, aus dem die Briten austreten. Es ist zum Heulen…

    • hab ich Europarat gesagt? ich wollte “Rat der Europäischen Union” sagen. ich finde es aber tatsächlich auch ungünstig, dass es drei Institutionen gibt, die schlimm schnell verwechselt werden können: Europarat, Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union. vermutlich Teil des Problems :/

      • Wahrscheinlich nicht, aber das Patrick Stewart Video bezieht sich auf die EGMR, die zum Europarat gehört. Wird sehr gerne in einen Topf geworfen, gerade auch in der Brexit Kampagne. Du hast aber völlig Recht, dass man sich auch unterscheidbarere Namen hätte ausdenken können!

  3. Tolle Sendung, wie immer!

    Besonders das Thema am Anfang kann ich unterschreiben. Ich hab es ungefähr 5 Jahre versucht mit Parteipolitik, als Funktionärin und als Kandidatin.
    Das ganze Parteigedöns ist schon nervig genug, weil das Parteiengesetz das Ganze ziemlich bürokratisch macht. Das ist imho auch einer der Gründe warum etablierte Parteien so konservativ organisiert sind, es geht schlicht nicht anders.
    Hinzu kommt, dass die Erwartungen an Politiker schlicht vollkommen bescheuert sind. Warum muss man jedes Bierfass anstechen beim Jahrmarkt? Die Anwesenheit bei allen möglichen komplett unpolitischen Veranstaltungen sind notwendig, weil man sonst als Partei bzw. Person nicht stattfindet. Das ist für Menschen mit beruflichen oder familiären Verpflichtungen definitiv nicht zu machen. Ich habe definitiv mehr Zeit bei allen möglichen Events verbracht wo kein Mensch mit mir über politische Themen zu reden als auf tatsächlichen politischen Veranstaltungen (die aber definitiv toll waren). Am besten fand ich immer Infostände in der Innenstadt, da hat man meisten mitgenommen von den Leuten, auch wenn das natürlich immer nur Einzelmeinungen waren.

    Was aber am nachhaltigsten bei mir angekommen ist und was außerhalb des politischen Betriebs kaum jemand mitbekommt:
    1. Es wird unheimlich viel über persönliche Beziehungen und Gespräche geregelt, außerhalb jeder Gremien. Das führt auch dazu dass der Transfer von Wissen echt bescheiden ist.
    2. Parteiintern sieht es auch nicht besser aus, da es bei den meisten um Bauchgefühl geht und weniger um rationales Argumente.
    3. Politik ist das Bohren sehr sehr dicker Bretter. Um etwas zu ändern, muss man gefühlt mindestens 10mal in den jeweiligen Gremien und Parlamenten drüber reden. Das frustiert ungemein und man muss einen sehr sehr langen Atem haben, was natürlich gewisse gesellschaftliche Gruppen bevorzugt.
    4. Der digitale Wandel ist in der Politik nicht wirklich angekommen. Siehe dazu den Text von Richard Gutjahr, er trifft den Nagel auf dem Kopf: http://www.gutjahr.biz/2016/06/brexit/

    Bei mir hat das dazu geführt aus dem Politikbetrieb wieder rauszugehen. Ich denke mittlerweile, dass es wahrscheinlich mehr bringt in NGOs und Lobbygruppen (Vereine etc) aktiv zu sein.

  4. Das Politik-Thema fand ich auch sehr gut und wichtig. Dieses Gesellschaft-neu-denken, bzw. vom-Ziel-aus denken, fehlt gefühlt einfach komplett. Und der ganze Politik-Betrieb ist aus so vielen Gründen unattraktiv, das es doch kein Wunder ist, das sich darauf nur relativ wenige Menschen einlassen.

  5. Gerade in letzter Zeit wird mir vor allem eine Sache deutlich. Das eigentliche Thema, über das sich unsere Gesellschaft Gedanken machen muß, ist der Stellenwert, den Kinder in ihr haben. Denn aktuell haben sie nicht wirklich eine.
    Auswirkungen hat dies auf soviel Bereiche:
    – Frauen werden als “schwierig” wahrgenommen, da sie ja so intensiv mit den Kindern assoziiert werden.
    – Die Arbeit mit Kindern wird nicht wirklich ernst genommen
    – Die Arbeitsumfeld wird nicht familiengerecht gestaltet
    – Berufe rings um die Erziehung von Kindern werden eher weniger geschätzt – es sei denn, es geht um die höhere Bildung
    – …
    Ich glaube diese Liste ließe sich noch endlos erweitern. Aber sie hat auch die genannte Auswirkung auf die Väter. Die Arbeit mit den Kids, wird nicht nur von der Umwelt nicht geschätzt.
    Das Lustigste ist übrigens, dass meiner Erfahrung nach erst Männer ab 50 Jahren wirklich verstehen, was sie verpasst haben. Zumindest ist es diese Altersgruppe von der ich mehrfach gehört habe, ach das wäre echt gut gewesen, wenn ich eine gewisse Zeit meine Kinder versorgt hätte, ich habe fast nichts von meinen Kindern gehabt. Während gerade die jüngere, bzw. mittlere Generation – beiderlei Geschlechtes – Karriere als das eigentliche Lebensziel definiert, in dem Kinder nur stören.

  6. Es sind vor allem Frauen (berufstätig, kinderlos), die mir vorwerfen Nichts zu tun, weil ich mich nur um 3 Kinder und Haushalt kümmere. Und ich habe schon wieder den Reflex mich zu verteidigen . Es sind Frauen, die fest davon überzeugt sind, dass meine Frau neben der Berufstätigkeit auch die Hausarbeit übernimmt, die nicht verstehen können, dass man diese Aufgabe freiwillig übernimmt, der Kinder zuliebe.

    Von Männern – den wenigen, die wirklich interessiert sind, wie es so ist, kommt schlechtesten Falls: Das kann ich mir für mich nicht vorstellen.

    Und ganz ehrlich, an alle Männer da draußen, es lohnt wirklich! Man lernt soooo viel

  7. Diese Teilzeitfalle, in die die meisten Paare (u.v.a. Mütter) nach der Geburt tappen, kann ich in meinem Umfeld auch beobachten. Vor der Geburt gleichberechtigte Paare, die sich vornehmen, danach alles zu teilen, rutschen nach dem ersten Jahr wieder genau in die gleichen klassischen Rollenverteilungen ihrer Eltern, die sie davor doof fanden. Er macht Vollzeit, sie maximal Teilzeit und dazu noch das meiste im Haushalt, was noch mehr stresst.

    Ich glaube, die klassische Rollenverteilung sitzt in vielen (Mann und Frau) noch tiefer drin, als sie sich eingestehen wollen. Dazu kommen natürlich noch die bekannten finanziellen Unterschiede im Gehalt von beiden.

    Ich persönlich finde eine Aufteilung, in der beide 70% arbeiten ideal. Da ist man ausreichend im Beruf integriert und hat trotzdem genug Zeit für die Kinder.

    Leider wird das 70%-Modell bei den meisten Paaren auf weniger Geld am Ende des Monats rauslaufen. Deshalb kann man das ohne gewisse Abstriche im monatlichen Budget nicht machen. Ich finde man sollte aber auf jeden Fall ernsthaft drüber nachdenken, weil das auf vielen Ebenen (nicht finanziell) durchaus gewinnbringend ist.

  8. Zum Thema “Frauen und Wettbewerb” hab ich noch einen interessanten Link, kurz gesagt haben die Leute von blog.interviewing mal geschaut ob der niedrige Anteil von vermittelten Frauen irgendwie in einer Art gender gap liegen könnte, weil z. B. die Interviewer die Frauen schlechter bewerten. Deshalb wurde ein Voicemodulator eingesetzt. Das Ergebnis war, die Frauen schätzen sich grundsätzlich schlechter ein und geben auch schneller auf. Das entspricht auch einem Muster, das ich oft in meinem eigenen Umfeld sehe: Die Frauen, die mit mir Abi gemacht haben oder mit mir in der Ausbildung waren, haben alle sehr schnell Kinder gekriegt nachdem es karrieretechnisch nicht so lief wie gehofft. Der Rest kriegt jetzt mit um die 30 Kinder, arbeitet dann maximal Teilzeit und nervt mich damit, dass ich jetzt auch mal ranmüsse demnächst. 🙂 Ich denke, das kommt zum Großteil daher, dass wir alle so aufgezogen werden, dass wir nett und hübsch sein sollen, und dann aber als Erwachsene plötzlich die Ellenbogen ausfahren und uns durchsetzen sollen. Plus noch 50000 andere Erwartungen, die frau gar nicht erfüllen kann. Das frau dann einfach aufgibt und sich ins Private zurückzieht, erscheint dann als logischer Schritt, ist aber auf Dauer keine Lösung, weil das im Endeffekt uns allen schadet, indem alte Strukturen und Muster fortgeschrieben werden.

    http://blog.interviewing.io/we-built-voice-modulation-to-mask-gender-in-technical-interviews-heres-what-happened/

    • danke! das ist ein interessanter Versuch. mit frappierendem Ergebnis.
      ich sehe an vielen Klassenkameradinnen und Kindern von Freunden in der Schule, dass das System Schule eines ist, das Mädchen oft besser bedienen können – sind ja auch im Schnitt besser. und ich denke, dass es dort schon losgeht. lieb und nett ist halt lieber gesehen bei Lehrer_innen, die eine ganze Meute domptieren müssen… Jungs wird gleichzeitig kommuniziert, dass es man es “normal” findet, wenn sie nicht so funktionieren. sie müssen sich oft in der Schule schon sehr viel mehr mit Konflikten auseinandersetzen. das gibt vielleicht schlechtere Noten, ist wohl aber immer noch ein besseres Training für später… :/

  9. toller podcast … wollte erst garnicht drauf drücken “lila-podcast = frauen themen” aus so einer lila ecke hätten mich nicht so interessiert. aber ihr sprecht genau meine themen an.

    weiter so

  10. Hallo,

    Ich muss da nur etwas kleines klarstellen, in Skandinavien sind 6 oder 7 Stunden-Tage _nicht_ die Regel, sie sind eine extreme Ausnahme. Es gab ein paar Stellen in Goeteborg die das vor ein paar Jahren getestet haben, fast alle sind zurueck zu 8 Stunden.

    Ich persoenlich habe in Deutschland 37,5 Stunden die Woche gearbeitet, was zumindest den Freitag etwas verkuerzt hat. Nachdem ich nach Schweden gezogen bin ging es hoch auf 40 Stunden.

    • Hallo Jeena,

      danke für die Klarstellung. Verrückt, dass sich das bei mir als Fakt festgefressen hat. Ich habe jetzt mal “6 stunden tag schweden” gegoogelt, um zu schauen, wie das passiert ist und tatsächlich bekommt man so viele Berichte über einzelne Firmen ausgespuckt, die das ausprobieren und wirklich gute Erfahrungen damit machen, dass man denken könnte, das ist da schon Alltag.
      In Göteborg sind die Experimente allerdings schon so weit gediehen und zeigen so gute Ergebnisse, dass man fast davon ausgehen könnte, es dauert nicht mehr lang, bis alle nur noch 6 Stunden am Tag arbeiten. Zu wünschen wäre es jedem. Und was natürlich hilft: dass es auch in Unternehmen öfter einen Sinn dafür gibt, dass die Angestellten auch Menschen mit einem Privatleben sind. Und dass eher mal skeptisch geschaut wird, wenn jemand auf Dauer zu viele Überstunden macht. In Deutschland wird so jemandem eher auf die Schulter geklopft, wie fleißig eher oder sie ist. Da ist ein 6-Stunden-Tag “was für Faulpelze”…

      Wir werden das weiter beobachten.
      Viele Grüße, Susanne

  11. Danke für diese Folge und den Link zu Malcolm Gladwell.

  12. Weil ihr Ja gerne über Bücher redet: Ich bin vor kurzem in der Sammlung meiner Mutter auf ein lustiges Buch von Evelyn Sanders gestolpert, eigentlich als lustiges Familienszenario gebaut. Aber bei dem darin vermittelten Frauenbild bleibt mir dann doch immer wieder die Spucke weg – und ich bekomme großes Mitleid für meine Mutter, die natürlich auch einen Großteil ihres Lebens mit diesen Klischees und Anforderungen konfrontiert war.
    Bei Interesse kann ich Ja mal anfragen, ob ich es euch als Leihgabe zukommen lassen darf 🙂

    • oh – geil! “Mit fünfen ist man kinderreich” und die Folgebücher habe ich gelesen! fand es natürlich cool und witzig… weiß gar nicht mehr, wie alt ich da war – vielleicht 10 bis 12 oder so.
      sehr geiler Fund!
      🙂

  13. Hallo ,
    ich bin noch gaanz am Anfang der aktuellen Folge aber mir ist es ein Bedürfnis einfach einmal
    Danke!
    zu sagen, für die tollen Gespräche
    denen ich schon bei Wohnen durfte und die zum nachdenken anregen.
    Die deutlich machen wie vielfältig die “Haltung Feminismus”
    gelebt wird.
    Danke, toller Podcast.
    Bitte noch ganz viel weitere 55 Folgen. 🙂 ..
    Gruß Aaron.

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