Lila157 Porno, Por-No und PorYes

Lila157 Porno, Por-No und PorYes

Wenn ihr denkt, die PorNo-Kampagne, die 1987 startete, sei ein alter Hut und hätte mit unserem heutigen, sex-positiven Feminismus überhaupt nichts mehr zu tun, dann lasst euch in diesem Podcast mitnehmen auf eine kleine Zeitreise: Katrin erzählt von ihrer Recherche zum Thema PorNo, die sie im Rahmen ihres aktuellen Buchprojektes von der Sexwelle zur Pornowelle gebracht hat und wie sie dabei einen Streit erkundete, der unsere Gesellschaft gespalten hat. Vor allem: Männer und Frauen gespalten hat. Denn während in einer Umfrage der “Für Sie” aus dem Jahr 1972 noch 71 Prozent aller Frauen gegen eine Freigabe von Pornografie waren, konsumierten vor allem Männer ab der Legalisierung 1975 ungehemmt die Filme, die es nun legal in Pornokinos und später auf Videokassette gab.

Die Darstellung der Frauen in diesen Filmen war ein großes Thema und rief Feminstinnen weltweit auf den Plan. 1979 gründete sich zum beispiel in New York die Initiative Women Against Pornography (kurz WAP), Gründungsmitglieder waren u.a. Gloria Steinem, Susan Brownmiller, Adrienne Rich, Shere Hite, Andrea Dworkin und Catharine MacKinnon. Später entwickelten die Aktivistin Dworkin und die Juristin MacKinnon Gesetzentwürfe, die die Erniedrigung und Entwürdigung von Frauen durch pornografische Darstellung stoppen sollten.

Diese Entwürfe dürften Vorbild und Inspiration für eine ähnliche Bewegung hier in Deutschland gewesen sein. Auch hier formiert sich Widerstand, man will die Gesetzgeber dazu bringen, etwas gegen die entmenschlichenden Darstellungen von Frauen in der Mehrheit der damaligen Pornos zu unternehmen. Die PorNo-Kampagne von Alice Schwarzer und ein Gesetzesvorschlag der renommierten Juristin Lore-Maria Peschel-Gutzeit treten auf den Plan. Mit letzterer hat Katrin in dieser Sendung gesprochen.

Außerdem kommt Erika Lust zu Wort, die mit ihren Pornos seit 15 Jahren die frauenfeindliche Pornowelt aufmischt. Am Ende gibt euch Katrin außerdem ein paar Tipps, wo ihr sonst noch feministischen und frauenfreundlichen Porno finden könnt.

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5 Gedanken zu „Lila157 Porno, Por-No und PorYes

  1. Eines der wenigen Bücher, in denen ein Mann offen über seinen Pornokonsum spricht ist “Pornos machen traurig” von Peter Redvoort (meines Erachtens sicher ein “Profeminist” – hat auch: “Die Söhne Egalias” geschrieben). Das war für mich als Frau recht aufschlussreich!

    Helene

    (und dann fallen mir noch die Ratgeber von Mario Brocallo ein – hatte mein damaliger Freund im Bücherregal …)

  2. Hey Katrin. 

    Vielen Dank für diese spannende Folge. 

    Ich würde gerne einen deiner letzten Sätze aufgreifen: Deine Solidarität haben die Menschen, die die Sexarbeit sicherer machen möchten.

    In einem Land, in dem es legal ist, das eine Hälfte der Menschen (Männer) die andere Hälfte (Frauen, Transmenschen, wenige Männer) kaufen kann, von denen nur eine Handvoll diesen Sex wirklich freiwillig macht (heißt: sie würden es eigentlich auch ohne Bezahlung tun und wurden nicht durch frühere Gewalterfahrungen auf die Spur gebracht), finde ich eine solche Aussage schon sehr realitätsfern. Natürlich wäre es prima, wenn die wenigen privilegierten Personen, die diesen “Job” freiwillig machen, ihn ohne Gefahr für Leib und Seele ausüben könnten. Aber sollte unsere Solidarität nicht in erster Linie den Menschen gelten, die am meisten unter den aktuell gegebenen Umständen leiden? 

    Also die Frauen und Mädchen, die eben nicht “Ja!” zu dem Sex sagen, sondern höchstens “Ja” zu dem Geld. Wie können wir diese Menschen darin unterstützen, “Nein” sagen zu können? 

    Zudem wünsche ich mir eine rudimentäre Veränderungen: nämlich eine wirkliche Parität der Geschlechter. Kommen wir diesem Ziel durch Pornographie und Prostitution näher? 

    Einige Gedanken: 

    -Wenn bezahlte Vergewaltigung (wie es einige  Aussteigerinnen aus der Prostitution empfinden), legal ist, kann es ja auch nicht so schlimm sein, einen anderen Menschen (in der überragenden Mehrheit Frauen und Kinder) “so” zu vergewaltigen, ihnen entsteht schließlich nur ein finanzieller Schaden. (Denn: Ist eine Frau kaufbar, sind wir es potentiell alle.) 

    -Vielen Männer haben die Überzeugung, sie hätten ein Recht auf Sex. Also zumindest das Recht, Sex zu kaufen. Ups… Haben sie ja auch. 

    -Zudem ist es wohl so, dass immer mehr Männer nachmachen wollen, was sie in immer brutaler werdenden Pornos sehen. Diese Wünsche tragen sie nicht nur an Prostituierte heran (die es sich oft nicht leisten können, abzulehnen) sondern auch an ihr Freundinnen und Frauen. Verkaufen Schmerzen als Normalität. Lernen in ihren Pornos nicht, Sex auf Augenhöhe zu haben. Bekommen kein realistisches Bild davon, was Frauen Vergnügen bereitet (jenseits von Würgen und mit der flachen Hand schlagen). 

    Ich glaube: Pornographie (im gängigen Format) und Prostitution zementieren und verschärfen die Mysogynie in unserer Gesellschaft. 

    Ich fände es großartig in eurem tollen Podcast auch noch weitere Stimmen zu diesen Themen zu hören. Wirklich freuen würde ich mich über ein Interview mit einer Aussteigerin aus der Prostitution (z. B. aus dem Netzwerk Ella) oder mit Manu Schon, die sich sehr intensiv in das Thema eingearbeitet hat. Noch bereichernder wäre eine Diskussion. Ich muss gestehen, das ich persönlich wenig (feministische) Argumente von SexarbeiterInnen, die ihren Job gut finden, kenne. Auch einen Beitrag zum nordischen Modell, mit seinen Vor- und Nachteilen, fände ich klasse. 

    1. Hallo,
      wir hatten im Lila Podcast ja schon einmal eine Sendung mit einer ehemaligen Sexarbeiterin, mit Ilan Stephani, die empfehle ich dir in diesem Zusammenhang. Und ansonsten ist mein Lieblings-Beispiel für Sexarbeiterinnen und ihre – wirklich! – Arbeit, der Satz: Das Problem an Armutsprostitution ist nicht die Prostitution, sondern die Armut. Und das kann man auf viele andere Probleme, die rund um Prostitution ranken, beziehen. Sei es, wenn geflüchtete Frauen, die illegal hier leben, mit dem Argument gezwungen werden, dass man sie sonst an die Polizei verrät. – Hier ist das Problem nicht die Postitution, sondern die Erpressbarkeit von Menschen, die illegal hier leben müssen. Dabei gilt für mich immer noch: Kein Mensch ist illegal. Die Auswirkungen dieser Illegalität sind ja auch in Italien und Spanien sichtbar, wo es richtig Sklavenarbeit gibt auf den Obst- und Gemüseplantagen. Dann die ganze Drogen-Thematik: Frauen, die nur anschaffen gehen, um sich den nächsten Schuss zu finanzieren, um es mal sehr unsensibel zuzuspitzen an der Stelle. Auch hier: Das eigentliche Problem ist nicht die Prostitution, sondern eine völlig menschenfeindliche Prohibition, die an anderer Stelle auch Leben kostet. Und so weiter…
      Also das Thema ist insofern wichtig, als dass man immer genau hinschauen muss: Was verursacht denn WIRKLICH die Probleme, die dann an Prostitution oft dran heften und dann hat man nur einen WEITEREN Grund, diese Probleme gesellschaftlich anzugehen. Das Problem ist aber fast nie, dass Sex für Geld angeboten wird. Und deswegen ist es mir wichtig, an der Seite der Sexarbeiterinnen zu stehen, denn: Die sagen uns – und das ist ein wirklich wichtiges feminstisches Thema! – dass das schlimmste für sie die gesellschaftliche Stigmatisierung ist. Dass sie ein Doppelleben führen müssen. Dass sie auch von Männern oft als ein Produkt gesehen und so behandelt werden usw… Ihre gesellschaftliche Stellung ist das Problem. Und deswegen brauchen sie vor allem erst einmal eins: Unsere Solidarität.

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