MeToo an Hochschulen: Wenn Profs ihre Macht missbrauchen – mit Martina Lörsch und Heike Pantelmann

Wo es Macht gibt, gibt es Menschen, die ihre Macht ausnutzen und sie missbrauchen. Der deutsche Wissenschafts- und Hochschulbetrieb ist von solchen Hierarchien durchzogen: das Ungleichgewicht zwischen beispielsweise Studierenden und Professor*innen oder auch zwischen Professor*innen und Doktorand*innen ist extrem und beruht auf einseitigen Abhängigkeitsverhältnissen.

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Medien berichten in diesem Kontext immer wieder von Grenzüberschreitungen, übergriffigem Verhalten und sexualisierter Gewalt von Vorgesetzten: Dozierende, die anzügliche Bemerkungen während des Seminars machen, Professor*innen, die ihre Mitarbeitenden Nachtclubs einladen, Professor*innen, die ihre Doktorand*innen auf den Mund küssen.

Übergriffe benennen und verhindern

Lena bespricht in dieser Episode, was Hochschulen an sich haben, das Machtmissbrauch begünstigt und woran es liegt, dass Betroffene sich so schlecht dagegen zur Wehr setzen können.

Rechtsanwältin Martina Lörsch berichtet dazu von ihren Erfahrungen als Verteidigerin von Betroffenen sexualisierter Gewalt. Sie erklärt, warum Grenzüberschreitungen häufig erst spät als solche erkannt werden und warum Betroffene sich dann – zB aufgrund von Scham – keine Hilfe suchen.

Wissenschaftlerin Dr. Heike Pantelmann ergänzt dazu, dass es eben sehr schwer ist, sich gegen die Person zu wenden, von der „alles abhängt”. Alles meint in dem Kontext das Fortkommen auf der Karriereleiter, die Fertigstellung der Promotion oder das Publizieren in renommierten Fachzeitschriften.

Was Hochschulen tun müssen, wird deutlich: hinschauen, ernst nehmen, Umgangsstrategien entwickeln, Anlaufstellen einrichten UND aufhören, das Thema zu tabuisieren.

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Barbara Streidl
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Katrin Rönicke

Der Fall Harvey Weinstein hat nicht nur Hollywood aufgerüttelt, sondern Frauen in der ganzen Welt ermuntert, ihre Geschichte zu erzählen, so auch Barbara. Es ist ein Beitrag dazu, zu “ verstehen, das ist nicht in Ordnung gewesen, was mir passiert ist und das ist nicht individuell sondern, das ist strukturell“. Was sind das für Strukturen und was muss jetzt geschehen, damit #metoo nicht bloß ein weiterer Hype in den Medien und im Netz gewesen ist, sondern vielleicht irgendetwas ändert? Christian Gesellmann hat es mit seinem sehr offenen Text über verinnerlichte männliche „Normalitäten“ schön auf den Punkt gebracht: Es stimmt etwas ganz gewaltig nicht! Ein „weiter so“ geht nicht mehr, das Wegsehen muss ein Ende haben.

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Barbara Streidl
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Katrin Rönicke
Intro: CC-BY-NC-ND ProleteR “April Showers” http://proleter.bandcamp.com/

 

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